Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177023
und Nachwirkung, 
S eine Verdienste 
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Leben, jetzt endlich allgemein bedauert und betrauert. Die städti- 
schen Behörden beschlossen, dass er im Dome selbst, für den er so 
viel geleistet, eine ehrenvolle Grabstatte finden solle. Da wurde er 
dann in ehrenv0lleI' Begleitung aller Künstler und zahlreicher Armen, 
die in ihm einen Wohlthäter verloren, beigesetzt, die Stelle aber, 
neben der Gruft Giotto's, durch eine Marmortafel bezeichnet, auf 
welcher die dankbare Stadt eine von ihrem Kanzler, dem gelehrten 
Carl hiarsuppini, verfasste Inschrift durch Brunelleseds Pflegesolm 
Bugiano eingraben liess. Sie ist keinesweges übertrieben, vielmehr 
kaum dem Verdienste des Mannes genügend. Wie Grosses Filippo 
in der (läidalischen Kunst geleistet, so etwa lautet sie, beweise das 
wunderbare Gewölbe des berühmten Tempels, in dem der Leser sich 
befinde, beweisen dann aber auch zahlreiche, von ihm mit „gött- 
lichem Geiste" erfundene Maschinen; weshalb denn, wegen der aus- 
gezeichneten Gaben seines Geistes und seiner seltenen Tugenden, 
die dankbare Vaterstadt ihn hier bestatten lasse. Es scheint also, 
dass nur die technische Meisterschaft seinen Zeitgenossen imponirte 
und dass man sich bei seinem Tode seiner Bedeutung noch nicht in 
ihrem ganzen Umfange bewusst war. Wie zur Betrachtung hoher 
Gebirge, gehört zur Schätzung grosser Männer eine gewisse Ent- 
fernung; erst nach einem oder mehreren Menschenaltern wird es klar, 
wie fruchtbar und umfassend ihre Gedanken waren, wie langer Zeit 
es bedurfte, um sie zu erschöpfen. 
Auf dem Gebiete der Baukunst hat kaum jemals ein Einzelner 
eine so nachhaltige, so durchgreifende Wirkung ausgeübt, so sehr 
einer ganzen-Epoche sein individuelles Gepräge aufgedrückt, wie 
er. Alle besseren Bauten der italienischen Frührenaissance gehören 
seiner Schule an; der Plan der Capelle der Pazzi wurde mit geringen 
Aenderungen von ihm in der Sacristei von S. Lorenzo, von Michel- 
ozzo in S. Eustorgio in Mailand, noch 1485 von Antonio di San 
Gallo in S. lllaria delle Carceri in Prato nachgeahmt. Die Art 
seiner Ornamentation, seiner Bogengliederung wurde für Alle 1naass- 
gebend. Sobald seine Lehren ganz vergessen waren, ging die italie- 
nische Baukunst dem Verfalle entgegen. Er verdankt diese Be- 
deutung zum Theil dem Zeitalter, in welchem er lebte. In früheren 
Perioden, so lange die Architektur die überwiegend nationale, un- 
persönliche Richtung innehielt, welche ihr allerdings die günstigste 
ist, gingen auch die Fortschritte aus gemeinsamer Arbeit, nicht aus 
dem Beispiele eines Einzelnen hervor. Nachdem das System der 
Subjectivität völlig entwickelt war, Jeder selbstständig und originell 
sein wollte , benutzte man w'chl die begabtesten Meister, aber ohne
        

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