Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177016
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Brunellesco. 
Gebiet, auf dem er nicht zurückstehen durfte. Die Gabe des Ge- 
sprächs und rascher, treffender Einfälle fehlte ihm keinesweges. 
Vasari lässt ihn bei dem Streite über die Domkuppel den be- 
deutungsvollen Scherz mit dem Ei ausführen, der sonst von Co- 
lumbus erzählt wird, und ein späterer, italienischer Schriftsteller 
legt ihm bei einer spöttischen, auf die Kleinheit seiner Figur an- 
spielenden Aeusserung des Papstes Engen IV. eine Antwort in den 
Mund, die fast mit dem bekannten, stolzen Worte des Archimedes 
übereinstimmt. Aber auch aus dem zuverlässigen Berichte des Ano- 
nymus ergiebt sich, dass er schlagende, eifectvolle Worte liebte und 
selbst für sehr künstlich ausgedachte und beharrlich ausgeführte 
Scherze Zeit und Laune hatte. Die Novelle vom dicken Tischler 
(del Grasso legnajuolo, abgedruckt unter Anderem in den Cento 
novelle antiche, II, 249, und in Piacenza's Ausgabe der Notizie des 
Baldinucci, I, 539), welche in Italien eine gewisse Berühmtheit er- 
langt hat und deshalb hier erwähnt werden mag, ist nach der Ver- 
sicherung jenes Zeitgenossen keine Dichtung, sondern ein wirklicher 
und von Brunellesco veranstalteter Hergang. Einen Menschen da- 
durch, dass man ihn mehrere Tage lang nur mit Solchen zusammen- 
treffen lässt, welche ihn für eine andere, ihm wohlbekannte Persön- 
lichkeit zu halten vorgeben und von ihm selbst wie von einem 
Dritten und Abwesenden sprechen, ist zwar nach unseren Begriffen 
ein grausamer und zu weit getriebener Scherz, wie er denn auch in 
der Novelle selbst einigermaassen tragisch schliesst; aber es ist an- 
zuerkennen, dass die ganze Anordnung der Scenen, durch die der 
arme Gequälte durchgehen muss, sehr geschickt und wohl geeignet 
war, ihn an sich selbst irre zu machen und zu verwirren, und es 
ist nicht unmöglich, dass Brunellescds Künstlernatur hier ein Mal 
in der Freude über den künstlich ersonnenen Plan die billige Rück- 
sicht auf jenen Genossen vergessen hat, während er sonst liebevoll 
und wohlwollend war. Er ist, so viel wir wissen, nie verheirathet 
gewesen, hatte aber einen Pilegesohn, den er vielleicht schon seit 
1420 als kleinen Knaben zu sich nahm und erzog und ihn in 
seinem Testamente, neben Legaten zu wohlthätigen Zwecken und 
zu Gunsten seiner mütterlichen Ilerwandten, zum Erben einsetzte. 
Es war dies Andrea di Lazero di Cavalcante, nach seinem Geburts- 
orte Bugiano genannt, ein Marmorarbeiter, der nach dein Tode 
Brunellescds in einer öffentlichen Urkunde dankbar bekennt, dass 
er als ein armer Junge von Filippo erzogen sei und keinen anderen 
Wunsch habe, als dem Andenken desselben Ehre zu machen. 
Brunellesco endete, 69 Jahre alt, am 16. April 1446 sein thätiges
        

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