Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177003
Charakter. 
Brunellescds 
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Eisenbänder gehalten, als Engel in der Luft schwebten und aus dem 
Kreise der um Gott den Vater versammelten Heerschaaren der Erz- 
engel zur Jungfrau herabstieg. Vasari giebt davon eine weitläufige 
Beschreibung. 
Brunellesco war von Gestalt klein und unscheinbar; Vasari 
nennt ihn sogar hässlich, obgleich die auf uns gekommenen Bild- 
nisse, namentlich das auf seinem Grabe befindliche, von seinem 
Schüler Bugiano herrührende, keinesweges unangenehme Züge zeigen. 
Sein Benehmen war liebenswürdig, gegen Männer, die ihm imp0nir- 
ten oder von denen er lernte, ehrerbietig und fügsam, gegen Alters- 
genossen und Freunde theilnehmend, uneigennützig, wohlwollend, 
gegen Feinde und Neider aber zurückhaltend, misstrauisch, man 
1115011136 fast Sagen arglistig Der vorherrschende Zug in seinem 
Charakter war die edle Ehrbegierde, sich durch nützliche und be- 
deutende Leistungen auszuzeichnen, verbunden mit einer Kühnheit 
des Geistes, die ihn nach den höchsten Zielen streben liess. Vasari 
spricht dies mit einem Worte aus, das zwar mehr seiner eigenen 
Zeit, als der des Brunellesco angehört, aber doch für den ächt 
italienischen Charakter desselben höchst bezeichnend ist. Er schreibt 
ihm eine "smisurata terribilita", eine maasslose, energische Leiden- 
schaftlichkeit zu, welche, wie er erklärend hinzufügt, ihn antrieb, 
stets schwierige und fast unmögliche Dinge zu unternehmen und zu 
allgemeinem Erstaunen durchzuführen, welche ferner den Aufgaben, 
die ihm unter die Hände kamen, so unbedeutend sie scheinen moch- 
ten, eine gewisse Grossartigkeit verlieh. Der Eifer, zu schaffen, seine 
Talente für Andere, für das Vaterland, für die Nachwelt zu ver- 
wenden, war verbunden mit dem Bedürfniss, dafür anerkannt zu 
werden, Ruhm zu erlangen. Dafür war ihm keine Anstrengung zu 
gross, kein Opfer zu schwer, die höchste Anspannung seiner Kräfte 
schon selbst ein Genuss. Er arbeitete dafür mit einer Beharrlich- 
keit und Hingebung, die durch keine Lockungen unterbrochen, durch 
keinen Widerstand geschwächt wurde; aber er verschmähte auch 
nicht die Mittel der Vorsicht oder List, um sich den Erfolg zu 
sichern. Sein Leben wurde dadurch ein ernstes und mühevolles; 
er hatte stets zu sinnen und zu arbeiten und zugleich gegen wirk- 
liche oder vermeintliche Angriffe oder Intriguen seiner Nebenbuhler 
sich zu wehren und zu kämpfen. Edle Offenheit ist in den Ge- 
schichten der italienischen Künstler ein seltener Zug; auch Bru- 
nellesco befürchtete stets, dass seine Gedanken von Anderen aus- 
gebeutet werden möchten und wurde daher verschlossen. Aber das 
hinderte ihn nicht, gesellig und heiter zu sein; auch dies war ein
        

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