Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176981
Profanbauten. 
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mit sechszehneckiger Mauer, umschliessen, an welcher die den inneren 
Pfeilern entsprechenden Seiten durch nach aussen geöffnete Nischen 
erleichtert und belebt sind. Auf dem Dache dieses Umgangs sollten 
dann acht auf den inneren Pfeilern ruhende Strebemauern die Ecken 
des Tambours stützen. Es ist ein höchst verständiger, solider, in 
constructiver Hinsicht durchdachter, aber zugleich höchst genialer 
und kühner Plan. Nachdem es ihm eben gelungen, die Kuppel als 
bekrönenden Theil eines grösseren Gebäudes zu bisher unbekannter 
Bedeutung auszubilden, thut Brunellesco sofort den zweiten, nicht 
minder kühnen Schritt und macht sie in ihrer neuen, von ihm aus- 
gebildeten Gestalt zum leitenden Princip eines selbstständigen Ge- 
bäudes. Die vorhergegangenen Jahrhunderte hatten die Rundform 
nur in einfachster Gestalt, und zwar nur bei Baptisterien, für grössere 
Kirchen aber nur die Form des lateinischen Kreuzes gekannt, und 
er selbst hatte sich diesem Herkommen bei seinen früheren Bauten 
gefügt; hier emancipirt er sich aber und giebt der Centralanlage eine 
gleiche Berechtigung. 
Auch an Wohnhäusern und öffentlichen oder privaten Palästen 
war er vielfach thätig; sein anonymer Biograph nennt mehrere der- 
selben. Allein der bedeutendste Auftrag dieser Art entzog sich ihm; 
Cosmo von Medici verlangte nämlich von ihm das Modell für einen 
Palast, den er in der Nähe von S. Lorenzo bauen wollte; dasselbe 
fiel aber so prachtvoll aus, dass der vorsichtige Medicäer üble 
Nachrede fürchtete und nicht darauf eingehen wollte, was dann 
Brunellesco so gründlich ärgerte, dass er sein Modell zerschlug. 
Dafür ward ihm später von einem anderen reichen Bürger, Luca 
Pitti, der Bau des grandiosen Palastes übertragen, der noch heute 
den Namen desselben führt; auch dieses Werk blieb unvollendet 
und erhielt den Ausbau nach der Gartenseite erst sehr viel später 
und zwar, da das Modell verloren gegangenwar, in ganz anderem 
Geiste. Aber die Facade war doch schon über die erste Reihe der 
Fenster hinaus gefördert und diese Anfänge genügten, um den neuen 
und genialen Gedanken, auf dem fortan der florentinische Palastbau 
beruhte, festzustellen. Dieser Gedanke bestand nämlich darin, den 
Charakter des Masscnhaften, Gewaltigen, Kriegerischen, den die festen 
Häuscr des städtischen Adels früher unbeabsichtigt durch ihre schweren 
lilauern und die Zwecke der Vertheidigung gehabt hatten, künst- 
lerisch auszubilden und zum bleibenden Ausdrucke des WOhnSitZgs 
edler Familien zu erheben. Die bedeutende Ausdehnung, welche der 
damals mächtige Bauherr seinem Hause geben wollte, und die Lage 
desselben nicht in einer engen Strasse, sondern auf freiem, ansteigen-
        

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