Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176923
Andere kirchliche Bauten. 
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Daher auch das rasche Verständniss, welches Brunellesco bei 
seinen kunstsinnigen Landsleuten fand. Giovanni de' Bicci, der 
Vater des Cosmus von Medici, welcher um 1425 die alte Sacristei 
von S. Lorenzo prachtvoll und zugleich als Grabstätte seines Hauses 
herstellen wollte, beauftragte damit unseren Meister und liess ihr 
im Wesentlichen die bereits an der Capelle der Pazzi bewährte 
Form geben. Nur dass die reizende Ausstattung der Schränke mit 
'I'arsia, der Marmorschmnck der Chorschranken und besonders der 
unvergleichliche Marmorbrunnen in dem Seitengemache dem Meister 
neue Gelegenheit zur Bewährung seines decorativen Talentes dar- 
boten. 
Unter den übrigen ihm zuzuschreibenden Gebäuden sind die 
beiden Kirchen von S. Lorenzo und S. Spirito wegen ihrer Grösse 
und SQWiSSCP Chßräktßfistisßher Züge voranzustellen, obgleich sie 
nicht, oder doch nur zu sehr kleinem Theile, unter seiner Leitung 
ausgeführt sind. Der Neubau von S. Lorenzo war schon früher, als 
jene Sacristei, und zwar durch den Prior der Kirche, der sich für 
einen Baukundigen hielt, begonnen worden. Erst nach dem Tode 
des Giovanni de' Bicci, als das langsam fortschreitende Werk Be- 
denken erregte, zogen die reichen Familien, welche die Kosten deck- 
ten, unter ihnen vor Allem Cosmus von Medici, unseren Brunellesco 
zu, der denn auch einen Plan entwarf, dessen Ausführung (wahr- 
scheinlich mit gewissen, den bereits bestehenden Anfängen gemachten 
Ooncessionen) beschlossen wurde, aber langsam fortschritt. Ungefähr 
um dieselbe Zeit, im Jahre 1428, wurde auf die dringenden Auf- 
forderungen eines beliebten Kanzelredners beschlossen, statt und 
neben der kleinen, alten Kirche S. Spirito eine neue, würdige und 
grössere zu errichten. Auch hier traten die begüterten Familien 
des Viertels zusammen und liessen, wiederum, durch Brunellesco, 
Plan und Modell anfertigen. Der Bau stockte aber bald und wurde 
erst da mit Eifer betrieben, als die bis dahin im Gebrauche ge- 
bliebene alte Kirche im Jahre 1471, also lange nach Filippo's Tode, 
abgebrannt war. In beiden Fällen waren zwar nicht bloss Zeich- 
nungen, sondern auch Modelle von ihm vorhanden; aber diese er- 
streckten sich nicht auf die feineren Details und Ornamente, wurden 
auch wohl von den späteren Bauführern nicht genau befolgt, viel- 
leicht sogar aus Böswilligkeit falsch gedeutet. Der anonyme Zeit- 
genosse führt darüber bittere Klage, und in S. Spirito sind in der 
That Missgriffe und Abweichungen von dem Style Brunellescds be- 
merkbar. Aber S. Lorenzo lässt denselben, selbst in den Einzeln-- 
heißen, namentlich auch in der Ornamentation, erkennen, nur mit 
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