Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176900
Cappella Pazzi. 
Decoration der 
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an der grandiosen Doinkuppel versagen musste, nämlich als Erfinder 
glänzenden, zugleich anmuthigen und charakteristischen Schmuckes. 
In der Vorhalle ist besonders die Wölbung der Sitz desselben; 
das Tonnengewölbe ist mit tiefen Casetten und mächtigen Rosetten, 
welche nach oben zu immer kräftiger gehalten sind, die kleine 
Kuppel mit vier Reihen von stark vertieften, runden Tellern reich 
verziert, die, nach oben zu abnehmend und ein grösseres Rund als 
Schlussstein umgehend, unten durch einen starken Wulst von Lor- 
beerblättern zusammen gehalten sind; diese letzten, vermöge der 
neuen Erfindung des Luca della Robbia, in glasirter Terracotta mit 
bunten, natürlichen Farben und Goldglanz prangend. Höchst be- 
zeichnend für seine ornamcntale Richtung ist die Ausstattung der 
Gewölbezwickcl an dieser kleinen Kuppel. In die Ecke des Quadrates, 
welche, mit wirksamen] Gegensatze gegen das daran anstossende 
Tonnengewölbe, scharf ausgebildet ist, ist nämlich eine Muschel ge- 
legt, welche, mit ihren starken Rippen sich strahlenförmig ausbreitend, 
oben sich in die hier hervortretende Wölbunghineindrängt und so 
ein sprechendes Sinnbild der anstrebenden Kraft dieses stützenden 
Gewölbes giebt. Das Innere der Capelle ist, um die Wirkung der 
Proportionen nicht zu beeinträchtigen, im Ganzen einfacher gehalten; 
die constructiven Theile in grauem Sandstein, die Wandfelder und 
Gewölbflächen weiss. Nur die Engelsköpfchen in dem Friese und 
die Reliefs in den Medaillons sind weiss und blau in glasirter Terra- 
cotta. Indessen fehlt es auch hier nicht an Schmuck. Die Unter- 
sieht der Archivolten und die Proiilirungen von Thüren, Fenstern, 
Blenden, Medaillons sind durchweg mit plastischen Ornamenten ver- 
sehen, welche theils aus Bandgeflechten, Perlstäben, Ketten und anderen 
geometrischen Bildungen, bald antiken, bald gothischen Ursprungs, 
theils aber auch aus Blattgewinden und Kränzenibestehen, in denen 
die natürlichen Formen der einheimischen Flora unverkennbar wieder- 
gegeben sind, die aber auch immer den Ausdruck der Function des 
bestimmten Gliedes in sinnreicher Andeutung enthalten und zugleich 
so maassvoll behandelt sind, dass sie der Einheit des Ganzen und 
der Wirkung seiner Verhältnisse niemals Eintrag thun. Die rege 
Productionskraft und die Lust an bildnerischer Wiedergabe der 
Natur stehen unter der bewussten Herrschaft des architektonischen 
Gesetzes. 
Es schien nützlich, dies Erstlingswerk Brunellescds genauer zu 
betrachten, weil es den ganzen Umfang seiner Bestrebungen am 
vollständigsten erkennen lässt. Es sind darin alle Grundzüge dei- 
Renaissance gegeben; die neue Bauweise war in seinem Haupte schon 
selmaasys Kunstgesch. VIII. 3T
        

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