Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176897
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Filippo Brunellesco. 
scheinlich, dass, wenn auch nicht das Wort, so doch der dem- 
selben zum Grunde liegende Gedanke von Brunellesco selbst aus- 
ging und dass er dergleichen berechenbare Proportionen, zu denen 
sein mathematischer Sinn hinneigte, schon bei den Alten zu ünden 
geglaubt hat. In der That kommen sie in ähnlicher Weise auch in 
seinen anderen Bauten vor. 
Der Einfluss der Antike ist in diesem ersten nach der Rückkehr 
von Rom ausgeführten Werke etwas stärker, als in seinen späteren 
Bauten. Während er in diesen gewöhnlich die Säulen durch Bögen 
verbindet, tragen hier Säulen und Pilaster durchweg gerades Gebälk 
mit dreigetheiltem Architrav, einem mit Medaillons und Engelsköpf- 
chen verzierten Friese und wohlgebildetem Kranzgesimse. Aber den- 
noch bewegt er sich schon hier mit vollster Freiheit, modificirt die 
Antike nach seinem Gefühl und seinen Gedanken, selbst das so oft 
vorkommende korinthische Capitäl erhält bei ihm eine eigenthümliche 
Gestalt. Die Kuppeln bildet er zum Theil mit Rippen, also mit einer 
gothischen Reminiscenz, immer aber mit Gewölbzwickeln, wie sie erst 
in Byzanz erfunden und den römischen Baumeistern noch nicht be- 
kannt gewesen waren. Auch die Anlegung von Wandbögen über dem 
geraden Gebälk, zur Motivirung der Kuppel, hat kein Vorbild in der 
Antike, und die Zusammenstellung von glatten Säulen mit cannellir- 
ten Pilastern, wie er sie hier in der Vorhalle und in seinen späteren 
Bauten wiederholt und mit oifenbarer Vorliebe anwendet, entspricht 
dem römischen Herkommen nicht. Er weicht hier offenbar bewusster 
Weise von demselben ab, hält es für vortheilhafter, die freistehende 
Säule von dem benachbarten Pilaster zu unterscheiden, als beide 
gleich zu behandeln. Für die Kreisform hat er eine Vorliebe, die 
augenscheinlich nicht aus der Antike entlehnt ist; Medaillons sind 
ihm ein beliebter Wandschmuck und Fenster bildet er gern kreis- 
rund, oder, wenn länglich, dann doch mit einem Halbkreise. Bei 
Fenstern und Thüren hält er den Begriff der Raumöifnung con- 
sequent fest, umgiebt sie daher mit einer überall gleichen Um- 
rahlnung und vermeidet, ihnen, durch das Kämpfergesimse oder gar 
durch Säulen unter dem Bogen, eine selbstständige constructive Be- 
deutung zu geben. Die Thüren sind rechtwinklig, wenn auch manch- 
mal über dem Gesimse mit einem Rundbogen ausgestattet, aber er 
ist so besorgt, den Begriff der Einrahmung anzudeuten, dass er die 
Gliederung stets am Fusse des Thürpfostens rechtwinklig umbiegt, 
S0 dass sie nur durch die Thüröffnung abgeschnitten erscheint. 
An diesem kleineren Gebäude lernen wir dann auch unseren 
Meister in einer Eigenschaft kennen, deren Geltendmachung er sich
        

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