Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176881
Cappella Pazzi. 
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Diese Kuppel selbst ist, wie die des Domes, mit doppelter 
Wölbung versehen, von denen die äussere als unmittelbare Trägerin 
(lei- Dachziegel und der luftigen aus einem ursprünglich offenen 
Rundtempel bestehenden Laterne dient. Die innere Kuppel ist zwar 
nicht, wie am Dome, steil anstrebend, aber auch nicht eine einfache 
Halbkugel; sie besteht aus zwölf starken, noch fast gothisch pro- 
glitten, aber halbkreisförmig zusammengefügten Rippen, zwischen 
denen über senkrechten Schildwänden hochansteigende Kappen ge- 
wölbt sind. An diesen Hauptraum der Capelle schliesst sich dann 
auf der Rückseite ein kleiner quadratischer Chor mit einer Kuppel 
an, welche gleichen Durchmessers, wie die der Vorhalle, ist und, wie 
diese, eine einfache Halbkugel bildet. Das Ganze ist also, im Gegen- 
satze gegen die langgestreckten und der Verlängerung fähigen gothi- 
sehen Bauten, eine in sich abgeschlossene, gewissermaassen centrale 
Anlage. Um die grosse Kuppel und den quadratischen Raum, den 
sie bedeckt, lagern sich auf allen vier Seiten kleinere Räume; in 
der Längenrichtung die von den beiden kleinen Kuppeln, in der 
Breite die von den schmalen Tonnengewölben bedeckten. Die Vor- 
halle hat dann die Bedeutung, diesen Gegensatz aufzuheben, indem 
sie Kuppel und Tonnengewölbe verbindet. Dasselbe Bestreben, die 
ganze Anlage als eine organische, in sich abgeschlossene darzustellen, 
zeigt sich dann auch in der Wiederkehr derselben Eintheilung, welche 
den Dimensionen des Innenraumes so vortrefflich angepasst ist, dass 
die grössere Seite die Eintheilung der kleineren, und zwar als ihren 
mittleren Theil, in sich enthält und nur um die Pilasterstellung 
vermehrt, welche als Trägerin der Tonnengeivölbe wieder der klei- 
neren Seite dient. Auch die Maasse sind darauf berechnet, überall 
einen Einklang zu geben und den Beschauer in einfache, leicht ver- 
ständliche Verhältnisse einzuführen. Die innere Höhe der Kuppel ist 
fast das Doppelte der Grundlinie ihres Quadrates. Wiederholt scheint 
in den Nlaassen, sowohl des Flächenraumes, als der Höhe, das Ver- 
hältniss des sogen. Goldenen Schnittes beabsichtigt, nämlich, dass von 
zwei ungleichen Dimensionen die kleinere sich zur grösseren verhalte, 
wie diese zum Ganzen. 
Leon Battista Alberti der jüngere Zeitgenosse Brunellescds, 
der erste Theoretiker der neuen von diesem practisch angebahnten 
Bauweise, spricht von den musikalischen Proportionen der Bau- 
ten, ohne Sie näher zu erklären, und unser Anonymus wiederholt 
dasselbe Wort unter den Vorzügen der antiken Architektur, welche 
Brunellesco in Rom sich anzueignen gesucht habe. Ohne Zweifel 
ist dabei an Verhältnisse dieser Art gedacht und es ist sehr wahr-
        

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