Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176847
der Domkuppel. 
Bau 
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versteht sich, dass Filippo dies nur mit Widerstreben ertrug, indessen 
fügte er sich einige Jahre. Endlich aber, als der Bau eben an eine 
kritische Stelle gekommen, erklärte er sich krank und verwies die 
bei ihm anfragenden Bauleute an Ghiberti. Als sie ihm dann be- 
richteten, dass dieser verweigere, die Leitung allein zu übernehmen, 
stand er zwar, mit der unzweideutigen Erklärung, dass er sehr wohl 
bereit sei, den Bau allein weiter zu führen, vom Bette auf, drang 
nun aber bei den Vorstehern darauf, dass eine Theilung der Arbeiten 
eintreten müsse, wobei er jenem die Wahl liess, welche von zwei 
eben in Angriff zu nehmenden Aufgaben er leiten wolle. Ghiberti 
wählte die Balkenverkettung, führte dieselbe aber so ungenügend 
aus, dass sie nach einem speciellen Modell, das Brunellesco zu diesem 
Zwecke anfertigen liess, neu hergestellt werden musste. Nun erst, 
durch einen Beschluss vom Februar 1425 (1426 der heutigen Zeit- 
rechnung), trat insofern eine Aenderung ein, als Brunellesco die 
ganze Anordnung und Leitung des Kuppelbaues mit einem sehr viel 
höheren Gehalte übertragen wurde und Ghibert.i nur, unter Belassung 
des früheren Gehaltes, die Pflicht erhielt, täglich eine Stunde lang 
die Ausführung zu beaufsichtigen. Brunellesco arbeitete nun mit 
erhöhetem Eifer weiter, stets reich an neuen Erfindungen, durch 
welche er die Dauerhaftigkeit des Werkes sicherte oder den Bau- 
leuten die Arbeit erleichterte, während er andererseits der Wider- 
setzlichkeit und der Trägheit derselben mit grosser Energie ent- 
gegentrat. Auch so bedurfte es indessen noch einer Reihe von 
Jahren, ehe die Kuppel, selbst noch ohne Laterne, vollendet war 
(1436). Für diese wurde demnächst eine neue Concurrenz aus- 
geschrieben, bei der wiederum Brunellesco den Sieg davon trug. 
Die Ausführung verzögerte sich jedoch so, dass sie erst 1445, ein 
Jahr vor dem Tode des Meisters, begonnen und 1461, also eine 
Reihe von Jahren nach demselben, vollendet wurde. Als die ge- 
waltigen Marmorstücke angefahren wurden, welche nach dem Modell 
für die hohe Laterne erforderlich waren, schüttelten Viele den Kopf 
und behaupteten, dass das Gewölbe diese Last nicht tragen könne. 
In der That hat die Laterne über dem 110 Fuss hohen Gewölbe der 
Kuppel, freilich mit Einschluss ihres spitzen, durch eine metallene 
Kugel und ein Kreuz bekrönten Daches, noch die erstaunliche Höhe 
von 75 Fuss; sie würde, auf ebener Erde stehend, ein ganz ansehn- 
liches Gebäude bilden. Allein Brunellesco lachte dieser Besorgnisse 
und entgegnete, dass gerade ein solches Gewicht nöthig sei, um der 
Kuppel Haltbarkeit zu geben, und der Aufbau schritt demnächst, 
Vermöge der von ihm dazu erfundenen Maschine, so rasch vorwärts,
        

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