Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176836
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Brunellesco. 
FiliPPO 
legte sich dieses Vorurtheil. Der Ausdruck wohl begründeter Ueber- 
zeugung war in seinen Reden nicht zu verkennen gewesen und stand 
in einem fühlbaren Gegensatze gegen die Unklarheit und das 
Schwanken der Anderen. Einige einsichtige Männer hielten es denn 
doch der Mühe werth, ihn aufzusuchen; seine Gründe fanden mehr 
und mehr Eingang, und als sich ihm bald darauf die Gelegenheit 
bot, eine kleine Capelle in der Kirche S. Jacopo in Borgo, jenseit 
des Arno, nach seiner Methode ohne Gerüst zu überwölben, traten 
auch die Vorsteher des Dombaues wieder in Verbindung mit ihm. 
Indessen wagte man doch nicht, die Ausführung ihm allein zu über- 
tragen, sondern setzte ihm Ghiberti, der, ohne sich. speciell mit der 
Baukunst beschäftigt zu haben, durch seine plastischen Arbeiten einen 
grossen Ruf erlangt hatte, und einen Dritten zur Seite, die neben 
ihm mit gleichem Gehalt zu Provisoren des Baues ernannt wurden 
(16. April 1419). Nun wurden, wie die Zahlungsvermerke in den 
Büchern des Bauamtes ergeben, Modelle angefertigt, das eine von 
Brunellesco, das andere von Ghiberti, von denen jedoch nur das 
des ersten die Anerkennung fand, dass es als Probe für die Wölbung 
ohne Gerüst in Mauerwerk wiederholt wurde. Auch liess man sich 
von ihm eine schriftliche Erklärung seines Planes geben, in Folge 
deren ihm dann die Genehmigung der Ausführung, jedoch vorläufig 
nur zu 14 Ellen der Höhe, ertheilt wurde. Die wesentlichsten Eigen- 
thümlichkeiten dieses Planes sind, dass die Kuppel nicht. kugelförmig, 
sondern spitzbogig, aus acht an einander stossenden Kappen be- 
stehend, also ein sogen. Klostergewölbe, und dann, dass sie doppelt 
ist, also über der innern Wölbung und getrennt von ihr eine äussere 
Kuppel, ein gewölbtes Marmordach, hat, welches jener zum Schutze 
dient; eine wichtige Neuerung, die hier zum ersten Male vorkommt 
und später bei allen grösseren Kuppeln wiederholt ist. Der Zwischen- 
rauin zwischen diesen beiden Kuppeln dient dann zur Aufnahme der 
Verkettungen durch Balken oder Eisen, sowie zur Anlage von Treppen 
und Gängen. Was den Meister zur Annahme der elliptischen, spitz- 
bogigen Form, an Stelle der vollen Rundung, bewogen, ist ungewiss; 
Vasari legt ihm die Ueberzeugung von der grösseren statischen Halt- 
barkeit dieses Bogens in den Mund, das Original jener Aufzeichnung 
enthält dies aber nicht, und es können andere Gründe dabei maass- 
gebend gewesen sein, namentlich eine Rücksicht auf die Harmonie 
mit dem durchweg im Spitzbogen aufsteigenden Bau des Arnolfo. 
In dieser Weise schritt nun der Bau fort, immer unter der 
Leitung und nach dem Plane des Filippo, ohne dass Ghiberti, ob- 
gleich er gleiches Gehalt bezog, wesentlich etwas dazu that. Es
        

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