Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176814
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Filippo Brunellesco. 
auch Donatello mit fort, und ihre anhaltende Beschäftigung in den 
Ruinen, bei der sie auch wohl verschüttete Theile ausgraben licssen, 
war so auffallend, dass das Volk sie für Schatzgräber hielt, während 
sie sich den nothdürftigen Unterhalt nebenher durch Goldschmiede- 
arbeiten verdienen mussten. Brunellesco setzte diese Studien eine 
Reihe von Jahren fort, obgleich er dazwischen von Zeit zu Zeit, sei 
es wegen einiger Bauten, die er daselbst betrieb, oder aus anderen 
Gründen, seine Vaterstadt besuchte. Bei einem dieser Besuche muss 
es gewesen sein, dass er die Bekanntschaft des berühmten Mathe- 
matikers Paolo dal Pozzo Toscanelli machte, der seine grosse Be- 
gabung erkannte und mit ihm in freundschaftliche Beziehungen trat, 
die, wie dieser nach dem Berichte des Anonymus selbst erzählte 
sich durch vierzig Jahre erhielten. Während dieser Umgang seine 
mathematischen Studien förderte, trat ihm zugleich hier eine Frage 
entgegen, welche ihn ganz erfüllte und bald die wichtigste Aufgabe 
seines Lebens wurde. Der Dom von Florenz, S. Maria del Fiore, 
von Arnolfo am Ende des 13. Jahrhunderts begonnen und von diesem 
Beginne an als eine Ehrensache der Stadt behandelt, war nun so 
Weit gediehen, dass der letzte, aber auch wichtigste und schwierigste 
Theil des Gebäudes, die den colossalen achteckigen Mittelraum des 
Kreuzes überspannende Kuppel, in Angriff genommen werden musste. 
Die Frage, wie dieses gewaltige Gewölbe herzustellen sei, beschäftigte 
die Gemüther lebhaft, und es ist wahrscheinlich, dass unser Filippo 
schon bei seinem ersten Besuche von Rom aus, im Jahre 1407 oder 
1409, den Gedanken fasste, sich dieser ruhmvollen, seinem Talente 
und seiner Energie so sehr zusagenden Aufgabe zu widmen. Arnolfo 
hatte, wie eine ohne Zweifel nach seinem Modell gemachte Dar- 
stellung in einem Gemälde des 14. Jahrhunderts ergiebt, an eine 
iiache, unmittelbar auf den Pfeilern ruhende Kuppel gedacht. Man 
beschloss jetzt, davon abzugeben, und zunächst einen senkrechten, 
achteckigen Unterbau, einen sogenannten Tambour, auf jeder Seite 
mit einem kreisrunden Fenster, zu errichten, um so der Kuppel mehr 
Ansehen zu geben. 
Vasari schreibt schon diese Anordnung dem Rathe des Bru- 
nellesco zu; gewiss ist nur, dass er sie adoptirte und sich nun mit 
dem Plane der Kuppel selbst anhaltend und so gründlich beschäftigte, 
dass er alle Einzelheiten überdachte und allen Schwierigkeiten ge- 
wachsen war. So ausgerüstet kam er von Bom im Jahre 1417 naCh 
Florenz und wurde hier, nebst anderen Sachverständigen, Zlll" Be- 
rathung gezogen, wobei sein Eifer und seine Sachkenntnis den Bau- 
herren so imponirten, dass sie ihm ein nach damaligem Maasstabe
        

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