Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176800
Studien nach der Antike. 
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wurde. Ghibertfs Relief ist sehr viel einfacher, aber voller Anmuth 
und Würde, und dürfte auch bei heutigen Beurtheilern die Stimmen- 
mehrheit für sich haben. 
Jedenfalls machte der Hergang, wie er auch gewesen sein möge, 
auf Brunellescds ehrgeiziges Gemüth einen tiefen Eindruck; er sah, 
dass er noch anderer Mittel, noch tieferer Studien bedürfe, um die 
erste Stelle in Anspruch nehmen zu können. Er wanderte daher, 
und zwar in Gemeinschaft mit dem noch sehr jungen Donatello, 
nach Rom, wo sie beide anfingen, eifrig die antiken Ueberreste zu 
durchforschen. Ob dies die erste Studienreise dieser Art gewesen, 
muss dahin gestellt bleiben. Durch den Einfluss der in den nörd- 
lichen Ländern ausgebildeten gothischen Kunst war das Auge der 
Italiener geweckt. Die stumpfe, gewohnheitsmässige Nachahmung 
der antiken Formen, die man gerade vor Augen hatte, hörte auf; 
sobald die mit Anstrengung erlernte fremde Kunstweise einheimisch 
geworden war und den Reiz der Neuheit verloren hatte, fing man 
an, sie mit den antiken Ueberresten zu vergleichen. Die Verehrung 
für das klassische Alterthum, welche seit Dante mehr und mehr die 
Gemüther ergriff, musste dahin führen. Petrarca spricht wenigstens 
für die Sculptur den Vorzug der Antike nicht bloss als seine Ueber- 
zeugung, sondern als eine von Niemand geleugnete Thatsache aus. 
Orcagna macht in seinen Bauten schon leise Versuche, die herr- 
schende gothische Forni der antiken zu nähern. Es konnte daher 
nicht fehlen, dass einzelne strebende Künstler diese besser kennen 
zu lernen suchten und sich daher dahin wendeten, wo noch die 
grössere Zahl ihrer Ueberreste erhalten war. Auch Ghiberti, Bru- 
nellescds Zeitgenosse und Nebenbuhler, spricht nicht bloss seine Be- 
geisterung für die Antike mit den stärksten Worten aus, sondern 
war auch, wie wir durch ein beiläufiges Wort seiner Commentarien 
erfahren, in Rom gewesen und hatte daselbst die Entdeckung einer 
vorzüglichen antiken Statue erlebt. Aber wenn auch nicht die ersten, 
waren es doch die gründlichsten und erfolgreichsten Studien dieser 
Art, die bis dahin vorgekommenwaren, und für Brunellescds Schick- 
sal entscheidend. Hatte er früher, nach der Weise seiner Zeit, sich 
mit der Baukunst nur neben anderen Kunstleistungen beschäftigt, so 
wurde er nun, während er die Ruinen nach Sculpturen durchsuchte, 
von der Schönheit und Solidität der Architektur so ergriffen, dass 
er sich ganz dieser Kunst widmete, sie mit leidenschaftlichem Eifer 
an den antiken Bauten studirte und sich durch Zeichnung und Ver- 
meggung ihrer Glieder eine vollständige Kenntniss ihrer Stylarten, 
Verhältnisse und Technik zu verschaffen strebte. Sein Eifer riss
        

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