Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176799
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Brunellesco. 
FiIiDPO 
kunst zu versuchen, und nachdem zuerst die reichen Verwandten 
seiner Mutter ihm dazu Gelegenheit gegeben hatten, fanden sich 
bald auch Andere, welche seinen Rath verlangten. 1113888811 hielt 
er noch immer die Sculptur für seinen Beruf und als daher im Jahre 
1401 die Bauherren des Baptisteriums eine ConcurrenZ Zum Zivecke 
der Anfertigung einer zweiten ehernen Thüre eröffneten (die des 
Andrea Pisano war schon 1330 vollendet), befand sich auch er unter 
den sechs Bewerbern, welche die Probearbeit, ein Relief mit dem 
Opfer Abrahams, fertigten. Das endliche Resultat dieser Concurrenz 
war bekanntlich, dass Lorenzo Ghiberti den wichtigen Auftrag er- 
hielt; über den näheren Hergang liegen aber zwei widersprechende 
Berichte vor. Unser Anonymus, für seinen Helden parteiisch, be- 
hauptet, dass Ghiberti nur durch seine Schlauheit den Sieg errungen 
habe. Während der Arbeit habe er nämlich alle einflussreichen 
Künstler um Rath gefragt, nach ihren Ansichten geändert und sie 
dadurch für seine Auffassung so interessirt, dass sie, als sie dann 
von den Bauherren zur Begutachtung aufgefordert, nicht füglich zu 
seinem Nachtheile sprechen können. Dennoch aber habe Brunellescds 
Entwurf ihnen einen so gewaltigen Eindruck gemacht, dass sie ge- 
rathen, beiden den Sieg zuzuerkennen und die Arbeit zu theilen. 
Nur die hartnäckige Weigerung Filippds, sich auf solche Gemein- 
schaft einzulassen, habe dann die Entscheidung zu Gunsten seines 
Gegners herbeigeführt Ghiberti dagegen in seinen unter dem Namen 
des Commentars bekannten Aufzeichnungen rühmt sich, dass ihm 
die Palme einstimmig von allen Sachverständigen und selbst von 
allen Mitbewerbern zuerkannt sei. Vasari sucht beide Berichte zu 
vereinigen, indem er Brunellesco und Donato (den er mit Unrecht 
zu den Concurrenten zählt) freiwillig zu Gunsten Ghibertfs verzich- 
ten, die Bauherren aber dennoch den vergeblichen Versuch machen 
lässt, Filippo zur gemeinsamen Arbeit zu bestimmen. Die Con- 
currenzstücke Ghibertfs und Brunellescds sind noch jetzt erhalten 
und in der Sammlung des Bargello neben einander aufgestelltl). Die 
Composition des Letzteren ist in der That sehr verdienstlich und 
merkwürdig; man erkennt darin eine grosse Gedankenfülle, aber auch 
ein Bestreben nach leidenschaftlichem Ausdruck und nach ungewöhn- 
lichen, schwer darzustellenden Bewegungen, das leicht unruhige und 
gewaltsame Formen hervorbringen konnte. Der junge Meister anti- 
cipirt eine Richtung, welche zwar im italienischen Volkscharakter 
begründet war, in der Kunst aber erst sehr viel später herrschend 
. die Abbildungen beider in "Kunst und Künstler", hefaüSg. von 
Dr. R. Dohme, 33. u. 34. Lief, Brunellesco von H. Semper u. R. Dohme]
        

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