Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176786
Plastische Arbeiten. 
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Pistoja mehrere in Silber getriebene Figuren übertragen und bald 
darauf versuchte er sich auch in grossen plastischen Arbeiten in 
Holz. Eine Statue der heiligen Maria Magdalena ist im Jahre 1471 
bei dem Brande der alten Kirche Santo Spirito untergegangen, ein 
lebensgrosses Bild des Gekreuzigten dagegen noch heute in S. Maria 
Novella erhalten. Vasari giebt über die Entstehung dieses Bildes 
eine anziehende Erzählung. Der junge Donatello, mit Brunellesco 
befreundet, habe diesem einen soeben vollendeten, ebenfalls in Holz 
ausgeführten Crucifixus gezeigt, statt der erwarteten Lobsprüche aber 
von ihm die Kritik gehört, das sei nur ein Bauer am Kreuze. Ver- 
driesslich darüber habe er den Tadel mit den Worten zurückgewiesen; 
Hole Dir Holz und mache Dir selbst einen. Filippo habe das ruhig 
hingenommen, demnächst aber sich heimlich an die Arbeit gemacht 
und seinen Freund erst, als er damit fertig geworden, unvorbereitet 
in seine Werkstatt gelockt, wo dann dieser vor Erstaunen das eben 
eingekaufte Frühstück zur Erde fallen lassen und in das Wort aus- 
gebrochen sei: Ja, Dir ist es gegeben, Christus darzustellen, mir 
nur, Bauern. Der Anonymus, obgleich er die Arbeit des Brunellesco 
sehr rühmt, kennt diese Anekdote nicht; sie ist auch mit den Alters- 
und Lebensverhältnissen beider Meister schwer zu vereinigen und 
kann leicht durch den Vergleich des in S. Oroce zu Florenz befind- 
lichen Crucifixus von Donatello mit dem unseres Meisters entstanden 
sein. Denn jener ist in der That plump und von gleichgültiger 
Form, dieser aber ausdrucksvoll und von bedeutsamer und bewegter 
Körperhaltung. Indessen entspricht die Erzählung wohl dem Cha- 
rakter des Brunellesco, wie er sich später zeigte. Neben der Sculptur 
wandte dieser sich nun auch anderen Studien zu. S0 zunächst der 
Perspective, deren Regeln er erforschte und sofort in zwei Ansichten, 
die eine von der Thüre des Domes auf das Baptisterium gerichtet, 
die andere den Palast und den Platz der Signori darstellend, in An- 
Wendung brachte. Die Ausführlichkeit, mit welcher der Anonymus 
noch nach mehr als 70 Jahren diese Arbeiten beschreibt, zeigt das 
Aufsehen, welches sie erregt hatten; auch wurde von nun an die 
Perspective ein Lieblingsstudium der italienischen Maler, dem sie 
sich, manchmal selbst pedantisch und zum Nachtheile anderer An- 
forderungen der Kunst, hingaben. Dass er durch Mittheilung dieser 
Lehre an Die, welche in Tarsia, d. h. in Verzierungen mit eingelegtem 
Holze, arbeiteten, auf diesen Kunstzweig eingewirkt und ihn gehoben 
habe, wird von Vasari versichert und ist vollkommen wahrscheinlich. 
Die mathematische Anlage, welche sich in diesen Studien verräth, 
führte ihn begreiflicher Weise frühe dahin, sich auch in der Bau-
        

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