Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176766
und Reformation. 
Humanismus 
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eine heimtückische Verfolgung zu, wobei dann die ganze Schaar der 
Humanisten für ihren Altmeister und für die Sache der Bildung und 
Duldung eintrat. Die Gerechtigkeit dieser Sache und die scharfe 
und glückliche Satire, mit welcher die „Briefe der Dunkelmanner", 
nicht der Witz eines Einzelnen, sondern ein gemeinsames, man könnte 
sagen nationales Werk der humanistischen Partei sie unterstützte 
verschaffte ihr einen glänzenden Sieg, zog Viele zu ihr hinüber und 
ermuthigte ihre Anhänger, als deren Vorkämpfer man den jugend- 
lichen, aber hochbegabten und kühnen Ulrich von Hütten nennen 
kann, zu immer heftigeren Angriffen. Ueberdies hatten einige fast 
gleichzeitige Falle aufgedeckter mönchischer Betrügereien und die 
wachsenden Anmaassungen und Erpressungen der höheren Geistlich- 
keit und der Curie, die in Deutschland bei dem Mangel einer ein- 
heitlichen, kräftigen Regierung sich Alles erlauben zu dürfen glaubten, 
die öffentliche Meinung im höchsten Grade aufgeregt. Wichtiger war 
aber, dass durch die grössere Zugänglichkeit der Literatur freies 
Denken und durch die Verbreitung der Sprachkenntnisse das Studium 
des Urtextes der Heiligen Schrift immer häufiger wurden, dass auch 
unter den Geistlichen Unzählige Zweifel an der Begründung des 
herrschenden Systems und die Ueberzeugung gewannen, dass den 
drückenden und die Seelen verwirrenden Missbräuchen nur durch 
eine Abänderung desselben abgeholfen werden könne. S0 war durch 
die humanistischen Studien der Reformation der Boden bereitet, 
die dann, als sich das geeignete Werkzeug dieser grossen Gottesthat 
gefunden, sofort rasch um sich griff und in Deutschland überwiegen- 
den Anklang fand. 
Aber ebenso, wie der italienische Humanismus, hatte nun auch 
die Reformation eine Einwirkung auf alle Völker des Abendlandes. 
Ueberall fand sie Anhänger und bestimmte, siegreich oder unter- 
drückt, die weitere Politik. In der Schweiz fand sie sehr bald 
einen zweiten Stütz- und Ausgangspunkt, in England wurde sie 
nach kurzem Widerstreben herrschend, in Frankreich hatte sie 
wenigstens eine bedeutende Partei für sich, in Spanien konnte sie 
zwar bei dem herrschenden Fanatismus nicht aufkommen, hatte nun 
aber die Folge, die Nation in der bisherigen monarchisch-katholi- 
sehen Richtung einseitig zu bestärken. Endlich aber fand sie auch 
in Italien verwandte Geister, deren theils unsichere, theils leicht 
unterdrückte Bestrebungen aber nur zu einer Restauration des Ka- 
tholicismus und zu einem geistigen Systeme führten, in welchem 
auch der Humanismus, bei seiner Indifferenz und Fügsamkeit, Auf. 
nahme fand. Die erneuernde Kraft, welche im fünfzehnten Jahr- 
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