Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176747
Humanismus in Deutschland. 
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liessen. Aber der Erfolg dieser Studien war in den verschiedenen 
Ländern verschieden. In Spanien und Frankreich erhielten sie, schon 
verrnöge des romanischen Blutes, leicht und geräuschlos, in England 
freilich später, aber doch auch ohne Widerstreben, Aufnahme, brachten 
aber keine tieferen Wirkungen hervor, sondern dienten ohne Weiteres 
dem bereits ausgebildeten politischen Systeme als gelehrter Apparat 
oder als poetischer und höiischer Schmuck. 
Anders in Deutschland, wo dem rein germanischen Stamme 
schon immer die Latinitat fremder und mehr als ein Ganzes gegen- 
über gestanden und das Bedürfniss gründlicheren Unterrichts hervor- 
gerufen hatte. Wie früher in der Ottonischen Zeit, hatte sich auch 
jetzt, während der religiösen Gährung des vierzehnten Jahrhunderts, 
ein solches Bedürfniss gezeigt, und es waren bei den Brüdern des 
gemeinen Lebens, einem Zweige der Mystiker, der eine nützliche 
Thätigkeit erstrebte, Schulen entstanden, in welchen die Sprachstudien 
mit besonderem Ernste getrieben wurden und die sich, da man ihren 
günstigen Einfluss nicht verkennen konnte, über ganz Deutschland 
verbreiteten. Dennoch fand der italienische Humanismus in der 
ersten Hälfte des Jahrhunderts hier nur geringen Anklang. Die 
Theilnahme mehrerer gelehrten Italiener an den Ooncilien von Cost- 
nitz und Basel war ganz ohne Folgen, und selbst der lange Auf- 
enthalt und die unermüdete Thätigkeit des Aeneas Sylvius Piccolo- 
mini am Hofe des Kaisers verschaffte ihm nur wenige und vereinzelte 
Anhänger. Die Juristen eigneten sich wohl bei Gelegenheit ihrer 
Studien in Bologna den besseren lateinischen Styl der Italiener an, 
aber die meisten von ihnen fühlten sich, wie Gregor von Heirnburg, 
von der Anmaassung und Frivolitat der Humanisten abgestossen und 
waren keinesweges geneigt, als Apostel ihrer Doctrin in Deutsch- 
land aufzutreten. Erst nach der Mitte des Jahrhunderts, als die 
einheimischen Studien selbst weiter gediehen waren und der italie- 
nische Humanismus selbst eine strengere, mehr grammatikalische 
Richtung angenommen hatte, fanden sich Männer, welche die dort 
erlangten Resultate besser zu würdigen wussten, sie an der Quelle 
studirten, sich dafür begeisterten und sie nun auch in Deutsch- 
land weiter verbreiteten. Die bedeutendsten unter ihnen waren: 
Rudolph Agricola aus Friesland (1442 bis 1485), Johann Reuchlin 
aus Pforzheim (1455 bis 1522), Conrad Geltes aus Schweinfurt (1459 
bis 1509) und endlich Erasmus von Rotterdam (1467 bis 1536); 
zahlreiche Andere schlossen sich an sie an, und gegen das Ende des 
Jahrhunderts sind Lehrer und Verehrer dieser neuen Richtung schon 
Schnaasäs Kunstgesoh- VHL 36
        

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