Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176734
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Historische Einleitung. 
den italienischen Staaten zur Folge hatte, bei denen allmttlig der in 
den einheimischen Wirren Italiens schon ausgebildete Gedanke des 
Gleichgewichts auf die grösseren europäischen Verhältnisse über- 
ging und sich auch da erhielt, als durch die Vereinigung der spa- 
nischen Krone mit der des römischen Kaiserthums auf dem Haupte 
Carls V. jenes Gleichgewicht am meisten bedroht war. Das Re- 
sultat dieser Kämpfe war indessen, neben der Begründung der spa- 
nischen Herrschaft in Mailand und Neapel, die Feststellung der 
grossen Monarchien und eines politischen Systems, welches, obgleich 
es auf gegenseitigem Misstrauen und Eigennutz der Regierungen be- 
ruhte, doch die Völker in mannigfachen Beziehungen erhielt. 
Während dessen war aber ein festeres Band dadurch entstanden, 
dass der Humanismus und mit ihm die italienische Wissenschaft und 
Bildung allmalig auf alle Völker überging und für sie maassgebend 
wurde. Sie alle waren ja, wenn auch nicht physisch, wie die Italie- 
ner, so doch geistig, Nachkommen der Römer; römische Literatur 
und Sprache war die Basis auch ihres Wissens und ihrer Civilisation. 
Hier auf die Quelle zurückzugeben, die Ueberlieferung von den Ent- 
Stellungen und Beimischungen zu reinigen, die sie im Laufe der 
Jahrhunderte erlitten hatte, war schon an und für sich ein Gewinn. 
Zugleich aber trat bei ihnen die tiefere Bedeutung dieser "Wieder- 
belebung des Alterthurns" noch deutlicher, als bei den Italienern, her- 
vor. Diese, die stets antike Ueberreste in Sprache und Sitte be- 
wahrten, die sich dem scholastischen Systeme niemals unbedingt 
hingaben, empfanden auch die Mängel desselben nicht in dem Grade, 
wie jene anderen, sondern waren schon durch leichten Druck ver- 
letzt und hatten in der erhofften Herstellung des Alten auch ein 
leichtes Mittel der Abhülfe zu besitzen geglaubt. Jene dagegen, mit 
dem Idealismus des Mittelalters viel inniger verwachsen, von dem 
Ungenügenden und Conventionellen in demselben, das jetzt unver- 
kennbar hervortrat, viel tiefer und schmerzlicher berührt, hatten in 
ihrem Ringen nach Abhülfe sofort instinctmässig das Wort Natur 
mit einer gewissen Andacht, aber mit unklaren Vorstellungen und 
ohne Kenntniss des zu ihr führenden Weges ausgesprochen. Sie 
entdeckten nun in dem ihnen durch die Vermittelung Italiens zu- 
kommenden Bilde des Alterthums wirklich eine mehr naturgemässe 
Denk- und Anschauungsweise, die ihnen als Leitfaden dienen konnte, 
und warfen sich auf diese Studien mit um so grösserem Eifer, als 
sie denselben freier und unbefangener gegenüber standen und SiCh 
nicht, wie die Italiener, durch eine vermeintliche nationale Identität 
über die Weite der Kluft, die sie von den Alten trennte, täuschen
        

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