Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176669
Richtung der 
Gelehrte 
Poesie. 
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Seidenzucht und Schachspiel (Vida), das Goldmachen (Angorelli), die 
Jagd und die Erdkunde (Navagero). Selbst das eben entdeckte Heil- 
mittel der widerlichen Krankheit, welche damals als ein neues und 
unvergtandenes Uebel so furchtbare Verheerungen anrichtete, wurde 
von einem gelehrten Arzte (Fracastoro) in poetischer Einkleidung ge- 
feiert. Gerade in diesem Gedichte ersehen wir deutlich, was damals 
der didaktischen Gattung den Vorzug verschaffte. Die Umschiffung 
der Welt, die Entdeckung von Amerika boten eine solche Fülle von 
neuen Anschauungen, eine so gewaltige Erweiterung der Welt- und 
Naturkenntniss, eröffneten soviel neue Einblicke in die Wunder der 
Natur, dass man den Geschmack an blossen Fictionen, an mytho- 
logischen Spielen, an dem Traumbilde des wiederhergestellten Alter- 
thums verlor. Man fühlte, dass man in gewisser Beziehung über die 
Herrlichkeit jener ruhmvollen Vorzeit hinausgegangen sei, einer neuen 
Zeit entgegenschreite. Man fühlte aber auch, wie viel zu lernen sei, 
und wollte daher neben der Schönheit klassischer Form auch Stoff- 
liches erhaltenl). 
Auch die italienische Poesie blieb nicht unberührt von dieser 
gelehrten Richtung der lateinischen; waren es doch zum Theil die- 
selben Hände, welche beide pflegten. Auch sie versuchte sich, wenn 
gleich seltener, in weitschweifigen Lehrgedichten, über Bienenzucht, 
Gartenbau, Jagd u. A. Auch sie glaubte, Anspruch auf Oorrectheit 
machen zu müssen; wie dort das Zeitalter des Cicero, bildete hier 
Petrarca ein Vorbild, dem Unzählige mit pedantischer Treue nach- 
strebten. Dazu kam dann aber die Frage, ob die italienische Sprache 
sich nicht mehr der lateinischen nähern, zu derselben Höhe des 
Klassischen erheben solle. Namentlich war der Reim bedenklich; er 
war erst in der Zeit des Verfalls der römischen Sprache aufgekommen, 
es fragte sich, ob man ihn nicht entbehren könne. Schon im vorigen 
Jahrhunderte waren einige, jedoch bei dem Vorherrschen der latei- 
nischen Poesie wenig beachtete Versuche gemacht; im Jahre 1515 
treten rasch hinter einander Trissino und Ruccellai, und zwar beide 
in regelmassigen, den römischen Vorbildern nachgeahmten Tragödien, 
Trissino auch in einem langen epischen Gedichte, die Befreiung 
Italiens von den Gothenf, in reimfreien Versen auf. Die ganze 
Literatur der Nation war aus dem Stadium jugendlich kecken 
1) S. die Einleitung zum Syphilus bei Roscoe, Leo X., II, 475. Der Dichter 
beginnt damit, die Vorzüge seines Zeitalters, die grossen Entdeckungen, die Wunder- 
weit der tropischen Länder zu schildern, geräth dabei aber unvermerkt in eine 
Schilderung der Gedichte seiner Zeitgenossen, welche den Umlauf der Gestirne, 
den Wechsel der Jahreszeiten, die Piianzeuwelt zum Gegenstande haben.
        

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