Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176651
552 
Einleitung. 
Historische 
gemeine Bewunderung erregte. Alle diese an ihn gerichteten, durch- 
weg lateinischen Dichtungen wurden dann im Jahre 1524 unter dem 
Titel "Coryciana" gedruckt und ergaben eine Theilnahme von nicht 
weniger als 120 Dichtern, die damals sämmtlich in Rom lebten. 
Aber die Stellung der lateinischen Poesie war doch eine andere, 
wie in jener Frühzeit des Humanismus. Sie stand nicht mehr allein, 
die italienische war neben ihr emporgekommen. Jede von beiden 
hatte ihre Vorzüge. Mit der geistreichen Anmuth und Ilebendigkeit, 
welche die Nationalpoesie, besonders durch Ariosto's lange erwartetes 
Gedicht (1515), erreichte, konnte die Latinität um so weniger wett- 
eifern, als sie, in Folge der zuerst von Lorenzo Valla aufgestellten, 
allmiilig aber allgemein anerkannten Ansichten, zu grösserer Correct- 
heit gefördert war und darauf den höchsten Werth legte. Die Buch- 
druckerpresse hatte sowohl die gelehrten Studien, als den populären 
Genuss erleichtert und verbreitet und dadurch den Gegensatz des 
Belehrenden und des Unterhaltenden zum Bewusstsein gebracht, der 
naturgernäss mit dem der lateinischen und der italienischen Literatur 
fast zusammenüel. Jene gab zwar ihre ältere Stellung keinesweges 
sofort auf; am Hofe Leo's X. diente sie noch recht eigentlich zur 
Unterhaltung; lateinische, vom Spiel der Laute oder Geige begleitete 
Improvisationen waren eine Liebhaberei des Papstes selbst und des 
höüschen Publikums. Auf Eleganz und Formschönheit machte sie 
nun zwar entschiedene Ansprüche, aber sie glaubte nicht mehr, wie 
in der Jugendzeit des Humanismus, diese durch geniale Dreistigkeit 
erlangen zu können, sondern nur durch enges Anschliessen an die 
klassischen Leistungen der römischen Vorzeit. Erst jetzt erreichte 
die Verehrung Cicero's den höchsten Gipfel; man fand, dass Petrarca 
und seine Nachfolger es damit viel zu leicht genommen hätten; es 
wurde ziemlich allgemein anerkannte Regel, sich keines Ausdrucks 
zu bedienen, der nicht bei Cicero selbst oder doch in seinem „un- 
sterblichen und fast göttlichen Zeitalterf") nachzuweisen sei. Das 
Wort und der Styl wurden nachgerade bedeutender, als die Sachen. 
Aber auch in diesen zeigte sich der vorherrschende Ernst. Neben 
der feinen Satire und den glänzenden Oden im horazischen Style 
kam jetzt, und zwar offenbar als höchste und würdigste Gattung, 
das Lehrgedicht in Aufnahme. Eine ganze Literatur dieser Art trat 
unter Leo X. und seinen nächsten Nachfolgern ans Licht. Fast alle 
Gegenstände des damaligen Wissens wurden in lateinischen Hexa- 
metern behandelt: Astronomie und die Oultur der Orange (Pontanus), 
Burckhardt, 
249.
        

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