Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176632
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Historische Einleitung. 
ehrgeizigen Plane Cäsar Borgia's die Gemüther in leidenschaftliche 
Gährung brachten, wo Jeder Ursache hatte, für seine eigene Er- 
haltung zu sorgen, und Jeder nach unrechtmässigem Gewinne strebte, 
wo der Papst selbst es kaum der Mühe werth hielt, seine Wollust 
und seine Habsucht zu verschleiernl), wo Treubruch, Gift und Dolch 
alltägliche politische Mittel waren, das war keine Zeit religiöser 
Einigung und Erhebung. Das religiöse Gefühl zog sich zu einsamer 
Trauer zurück oder äusserte sich als krasser Aberglaube. Es konnte 
nur empören, wenn bei der Schandthat von Sinigaglia, wo Cäsar 
Borgia die ihm gefährlichen Truppenführer unter dem Scheine freund- 
licher Unterhandlung in seine Gewalt lockte und ohne Weiteres er- 
würgen liess, einer derselben, Vitellozzo Vitelli, vor seinem Ende 
seinen Mörder, den Sohn des Papstes, bat, sich bei diesem für ihn 
zur Vergebung seiner Sünden zu verwenden. Jetzt bildete sich jene 
Lebensansicht, welche Macchiavell und Guicciardini in ihren Schriften 
mehr oder weniger deutlich aussprachen, welche klugen Eigennutz 
als hohe Tugend der Regierenden betrachtet und von glühenden], aber 
schon aus Vorsicht nur kalt und als Erfahrungssatz ausgedrücktem 
Hass gegen Priesterschaft und Papstthum erfüllt ist2). 
Julius II. war eine imposante Gestalt, aber durchaus weltlicher 
Fürst; sein Hauptbestreben, Italien von den auswärtigen Mächten 
unabhängiger zu machen, steigerte das patriotische Gefühl, zog aber 
von religiösen Unternehmungen ab. Anders verhielt es sich mit 
Leo X.; der Sohn Lorenzo's von Medici hatte nur die Herstellung 
des Friedens und die Beförderung der Wissenschaft und Kunst im 
Auge. Sein sittliches Verhalten war frei von groben Vorwürfen, sein 
Unglaube, namentlich das Wort von der „Fabel von Christo", das 
man so oft wiederholt hat, ist unerwiesen und beruht auf der An- 
gabe eines späten und wenig unterrichteten Schriftstellers. Aber ein 
Vorbild christlicher Tugend war er ebenso wenig, mit den Pflichten 
des Oberhauptes der Kirche nahm er es mindestens sehr leicht. 
1) Fra Benedetto im Kloster S. Marco zu Florenz in seinem Cedrus Libani: 
Papa Alessandro sesto allor regnava, Ripien d'ogn' awzarizia e di lussuria. Uesemplo 
del pastor ogn' uom pigliava. Perrens, a. a O. 
2) Vgl. Macchiavell am Schlusse seines Berichtes über den Vorfall von Sini- 
gaglia. und in der bekannten Stelle in den Discorsi Lib., I, c. 12.  Guicßiardilli 
in seinem Geschichtswerke wiederholt z. B. Lib. XIV, c. 5, viel stärker aber in 
seinen fragmentarischen Aufzeichnungen, z. B. in der (bei Burkhardt, a- a- 0., 
S. 465 angeführten) Stelle über Luther, oder in der andern (opere inedite, I, 236), 
wo er drei Dinge vor seinem Tode zu sehen eifrigst wünscht, ohne es zu hoffen: 
Florenz als wohlgeordnete Republik, Italien von den Barbaren, die Welt von der 
Tyrannei di questi scelerati poeti befreit.
        

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