Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176604
sie von der Fastenzeit 1490 an der Ausgangspunkt einer gewalt- 
samen religiösen und politischen Erregung wurde. In diesem Jahre 
trat nämlich Hieronymus Savonarola, ein achtunddreissigjähriger, bis 
dahin in verschiedenen Geschäften des Ordens gebrauchter, aber bis- 
her wenig beachteter Mönch, als mächtiger Volksredner auf. Er 
begnügte sich nicht, wie andere Bussprediger, Einzelne zu bekehren, 
sondern steuerte direct auf eine durchgreifende Aenderung der kirch- 
lichen Verhältnisse hin. Italien werde, so liess er sich prophetisch 
vernehmen, in Kurzem von Gott mit einem grossen Leiden heim- 
gesucht, dann aber werde eine Reform der Kirche eintreten. Der 
Zulauf zu seinen Predigten wurde so gross, dass er schon im folgen- 
den Jahre dazu des Domes bedurfte, die Richtung derselben wurde 
mehr und mehr eine politische, wobei er sich der demokratischen 
Partei in Florenz, den Gegnern des medicäischen Hauses, anschloss 
und sich auf ganz specielle Prophezeiungen einliess, indem er nicht 
nur die (wirklich bald darauf eintretenden) Todesfälle Lorenzo's von 
Medici und des Papstes Innocenz VIII., sondern auch den Einfall 
und Sieg Carls VIII. von Frankreich, freilich zum Theil in viel- 
deutigen Worten, vorher verkündete. Das wirkliche oder vermeint- 
liche Eintreffen dieser Prophezeiungen begründete seinen Einfluss 
auf das Volk immer tiefer, und als nun nach dem Tode Lorenzo's 
dessen Sohn und Nachfolger durch seine thörichten und schwanken- 
den Maassregeln bei der Ankunft des französischen Königs seine Ver- 
treibung aus der Stadt herbeigeführt hatte, wurde Savonarola, trotz seines 
Sträubens, auf politische Dinge einzugehen, bei allen Angelegenheiten 
der Republik der entscheidende Rathgeber. Die Verfassung wurde 
auf sein Anstiften im demokratischen Sinne verändert und er selbst 
rief von der Kanzel Christus zum König von Florenz aus, was dann 
sofort allgemeine Zustimmung erlangte. Demnächst schritt er zu 
seinem Hauptwerke, zur Reform der Sitten; er eiferte nicht bloss in 
seinen Predigten gegen Putz, Festlust, Spielsucht, Sonntagsentweihung, 
sondern ging auch zu thatsächlicher Durchführung seiner strengen 
Ansichten über, ernannte Inquisitoren, welche verwarnen, organisirte 
ein Heer von Kindern, die, in Quartiere vertheilt und von gewissen 
Beamten geleitet, in den Häusern herumgehen und sich die Ana- 
themata, wie er sie nannte, die anstössigen, dem Dienste der Ueppig- 
keit gewidmeten Dinge, Schmuck, Würfel und andere Spiele, leicht- 
sinnige oder nach seinem Urtheile unzüchtige Schriften und Kunst- 
werke erbitten sollten. Es wird endlich am Carnevalstage 1497 ein 
Scheiterhaufen von solchen Gegenständen errichtet, zu welchem seine 
Anhänger in aufrichtigem Eifer, Andere aber aus Furcht vor dem 
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