Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176553
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Historische Einleitung. 
Artl), die humoristische Schilderung betrunkener Spiessbürger, die 
Sonntags zur Stadt zurückkehren, sind in gleicher Weise gelungen, 
wie die "Gebete" und "Lobgesänge", in denen sich eine, allerdings 
vielleicht mehr "pantheistische, als reinchristliche, aber doch wahre 
und innige Frömmigkeit ausspricht. In einem längeren dialogischen 
Gedichte lässt er Ficinus selbst seine Lehre vom höchsten Gute so 
klar und vortrefflich vortragen, dass der etwas pedantische Gelehrte 
selbst davon entzückt war und die Poesie seines edlen Schülers wieder 
in Prosa zurückübersetzte. 
Lorenzo stand auch in dieser Beziehung nicht allein; das poe- 
tische Bedürfniss lag in der Luft, und bald hatte sich eine Schaar 
von Gleichgesinnten um ihn gesammelt, zu denen unter Andern sein 
jüngerer gelehrter Hausgenosse, Angelo Poliziano, sowie die Brüder 
Pulci gehörten. Aus diesem Kreise ging denn auch eine neue, der 
italienischen Poesie eigenthümliche Gattung hervor: das leichte, 
romantische Epos. Sie war nicht das Erzeugniss eines einsamen 
Dichters, sondern der gesellschaftlichen Verhältnisse. QiewTurniere, 
die höchsten Leistungen der gesteigerten Festlust, reizten dazu, das 
glänzende Schauspiel. durch Beschreibungen festzuhalten, und boten 
sich daher der neuerwachten Dichtkunst als dankbarer Gegenstand 
dar. Sie geben aber Reminiscenzen an die phantastische Welt der 
Ritterromane. Zwei, solche Turniere, welche Lorenzo und sein Bruder 
Giuliano in den Jahren 1468 und 1469 veranstaltet hatten, setzten 
daher die Federn von Luca Pulci und von Poliziano in Bewegung. 
Jener begnügte sich mit einer genaueniSchilderung der festlichen 
Hergänge, dieser benutzte das Fest nur als eine Gelegenheit zu 
Episoden mythologischen oder phantastischen Inhalts. Hatte man 
dadurch an der Schilderung solcher ritterlichen Thaten Gefallen ge- 
funden, so lag die Betrachtung nahe, dass man dazu nicht erst solche 
seltenen Gelegenheiten abzuwarten brauche, sondern unmittelbar aus 
den Ritterromanen, den Vorbildern dieses theatralischen Ritterthums, 
Stoffe wählen könne. Luca Pulci versuchte dies zuerst, indem er 
ein" wenig bekanntes, aber auch wenig anziehendes Rittergedicht be- 
arbeitete, sein Bruder, Luigi Pulci, that einen glücklicheren Griff; 
1) Auf einen derselben, La confessione, möchte ich nufmerksain  V52: 
er unzweifelhaft das Vorbild zu Goethe's Generalbeichteßgßwlfärenzo Lon- 
Gedicht ist ausser in der grossen Sammlung {POESIE del magm eo  äebetu 
don 1801, 4) auch bei Roscoe, Lorenzo, II, 351, abgedruckt ÄMS Fchglfonla quef 
Oda il sacro inno tutta 1a natura, und die Ode, Pßstätl Pläroflliläsghzwice hin 
sonno, welche die Nichtigkeit irdischer Freuden schildert und au z;  
weist, daselbst I, 287, 283.
        

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