Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176512
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Historische Einleitung. 
gehabt; bei seinen Nachfolgern ist dies ganz in den Hintergrund ge- 
treten. Sie brauchen die tugendhaftePhrase eben nur als Redeform, 
sie kennen nur den Schein. Es kommt ihnen nur darauf an, was sie 
Sprechen, nicht, was sie sind; sie haben sich gewöhnt, den Aus- 
druck einer Tugend schon für die Uebung derselben zu halten. Nur 
das ist aus den sittlichen Begriffen Petrarca's auf sie übergegangen, 
dass die höchste Bedeutung dem Individuum beiwohne. Aber die In- 
dividiietlität ist bei ihnen kaum noch etwas Anderes, als die Sellläl- 
siyglltwoder als die leere Form, jeden Inhalt nach Belieben anzunehmen 
und abzulegen. 
Bald nach der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts beginnt eine 
Reaction gegen diese Stimmung, welche, wenn auch nur langsam und 
zuerst auf vereinzelten Punkten vorschreitend, doch allmälig eine 
gänzliche Aenderung hervorbringt. Jene Fiction der Identität des 
netignhltalienvs mitdem altrömischen, von "der die Humanisten mit 
genialer Leichtfertigkeit ausgegangen waren, war denn doch nicht 
haltbar. Keine beider Seiten kam dabei zu ihrem Rechte. Daher 
denn eine Opposition, zuerst der Gelehrten im Interesse des Alter- 
thnms, dann deiwpopulären"Gefühle, die dabei unbefriedigt geblieben 
waren. niäiiiimanisten hatten den höchsten Werth auf die Sprache 
gelegt. Laurentius Valla bewies ihnen in einem gründlichen Werke, 
dass sie dieselbemsehr unvollkommen kannten, er stellte ihnen die 
Anforderung reiner Latinität entgegen und zeigte, dass es dazu viel 
tieferer Studien bedürfe. Während diese philologische Kritik nur 
langsam wirkte, erhob sich eine andere, kräftigere Opposition. Die 
Humanisten hatten Cicero nicht bloss als Muster eleganter lateinischer 
Rede, sondern auch wegen des Gedankeninhalts seiner populären 
Philosophie vorangestellt. Man ging jetzt an die tieferen Quellen 
antikerßWeisheit. Unter den griechischen Gelehrten, welche zu dem 
Unionusconcile von 1438 nach Italien gekommen und dort zurück- 
geblieben waren, bildete, wie es bei gealterten Völkern zu sein pflegt, 
die Würdigung der Heroen ihrer grossen Vorzeit und daher nament- 
lich auch die Abwägung der Verdienste ihrer beiden philosophischen 
Heroen, des Plato und Aristoteles, einen beliebten Gegenstand der 
Erörterung. Georg;i_os_ Gemistos Plethon und Bessarionl) schwärmten 
für Plato, Theodor Gaza und Georg von Trapezunt waren Anhänger 
des Aristoteles. Aber während ihrer fruchtlosem Disputationen bildete 
sich unter den Italienern eine Partei, welche sich mit jugendlicher 
1) [VgL hierzu die Geschichte der Philosophie der 
Schnitze, I. Band etc., namentlich das EinleitungskapiteL] 
Renaissance 
VOD. 
Fritz
        

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