Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176495
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Historische Einleitung. 
hältnisse, die Unsicherheit..ihrer Stellung, ihre Abhängigkeit von 
Ftirsten, deren Gunst sie sich durch Schmeichelreden und durch 
bereitwilliges Eingehen auf ihre Wünsche und Launen erwerben und 
erhalten mussten, ihre sophistisehewSchriftstellerei, die, je nach Gunst 
und Bezahlung, ohne Ueberzeugung angriif und- vertheidigte, ihrWVer- 
hältniss zur Kirche, "der siemmehr oderweniger dienten, ohne kirch- 
licheGesinnung und Frömmigkeit zu haben, und endlich ihrewgiiber- 
triebene ltleinung von dem Werthe ihrer Leistungen. Gerade weil 
sie seinen Maasstab der Form und Eleganz anlegen, weil sie keine 
sachliche Grösse kennen, ist ihre Eitelkeit und Ruhmredigkeit grenzen- 
los. Filelfo versichert nach seinem glänzenden Empfange in Florenz, 
dass selbst die Steine, wenn sie nur reden könnten, sein Lob ver- 
kündigen würden. Er spricht es ganz ernsthaft aus, dass er Niemand 
kenne, der ihn überträfe; wenn Virgil als Dichter grösser sei, so 
stehe er ihm als Redner nach, ebenso Cicero in seinen Versen; beide 
könnten wenigstens im Griechischen sich nicht mit ihm messen. Wo 
fände man einen Zweiten wie ihn? Aeusserungen dieser Art sind 
nicht bloss ein zufälliger, persönlicher Hochmuth; sie sind bei Weitem 
der Mehrzahl der Humanisten gemein. Daher sind sie denn auch 
so leicht verletzt und so kampflustig. Es entsteht eine eigene 
Literatur der „Invectiven", der es an Lesern nicht fehlt und die 
wiederum ein neuer Gegenstand der Eitelkeit wird. Es sind Kämpfe 
vor einem zahlreichen Kreise von Zuschauern, bei denen der Sieger 
stets die Lacher auf seiner Seite hat. Man übt sich daher in der 
Heftigkeit und Gewaltsamkeit, bleibt niemals bei der Sache stehen, 
sondern geht sofort zu Persönlichkeiten über, erschöpft den ganzen 
Vorrathwlateinischer Schimpfwörter, erlaubt sich die lügenhaftesten 
Verleumdungen, die, schamloseste glngdiscretion. Kein Verbrechen, 
kein ITa'stei' ist "schlimm genug, um nicht dem Gegner vorgeworfen 
zu werden, kein Vorurtheil der Menge zu veraltet und zu kleinlich, 
um nicht auch daraus einen Vorwurf zu schmieden. Sie gewöhnen 
sich so an Gkblleit, dass sie sie nicht bloss gegen ihre persönlichen 
Neider und Feinde, sondern auch gegen Entfernte und Hochgestellte 
üben. Wenn Lquther sich gegen seine Gegner, auch gegen die fürst- 
lichen, mit Worten loslässt, wie wir sie jetzt nur in den niedrigsten 
Kreisen kennen, so sind wir leicht geneigt, dies deutscher Rohheit 
zuzuschreiben. Aber Poggio in seiner ohne Zweifel auf Veranlassung 
der Curie verfassten "Schrift gegen den Gegenpapst Felix V., Herzog 
von Savoyen, verfährt mit diesem und mit den Vätern des Concils 
nicht gelinder. Ebenso maasslos, wie in Verlästerungen, sind Sie dann 
auch in Schmeicheleien gegen Gönner, von denen sie Wohlthaten
        

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