Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176473
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Historische Einleitung. 
höchst erbaulich. Federigo von Urbino liess sich ebenso wohl aus 
der BibgLund aus den flrchenvätern, wie aus den römischen Histo- 
rikern vorlesen. Der Buchhändler Vespasiano aus Florenz, Freund 
und Vertrauter zahlreicher Humanisten, hat eine Sammlung von Bio- 
graphien berühmter Zeitgenossen hinterlassen, in der sein Bestreben 
recht eigentlich dahin geht, sie als Verehrer und Kenner der huma- 
nistischen Wissenschaften und zugleich als eifrige katholische Christen 
darzustellen. Dafür kam man ihnen aber auch von kirchlicher Seite 
mit einer gewissen Duldung entgegen. Der Humanismus war eine 
Macht geworden, Niemand konnte sich ihm ganz entziehen, selbst 
dftäjPrediger der Bettelorden, die so viel von dem Spotte der Hu- 
maniksten zu leiden hatten, begaben sich in ihre Schule und glaubten, 
den Schmuck antiker Rede nicht entbehren zu könnenl). Man hielt 
sich daher auch verpfiichtet, Männern, die eine so wichtige Arbeit 
übernahmen, auch ein bedenkliches Wort, wenn es ihnen einmal ent- 
schlüpfen sollte, nicht weiter nachzutragen. Nur ein Mal, und das 
schon in einer vorgerückten Zeit, im Jahre 1468, in Rom selbst, 
unter Paul II., erlitten die dortigen Humanisten eine ernsthafte Ver- 
folgung; die Mitglieder der römischen Akademie wurden lange in 
hartem Kerker gehalten und der Papst warf ihnen dabei ausdrück- 
lich vor, dass sie zu grosse Verehrerdes Heidenthums seien. Allein 
sie hatten sich ihm, als er sie behufs einer Verkleinerung der Be- 
amtenzahl der Curie entlassen wollte, ziemlich offen widersetzt und 
dadurch seinen Zorn gereizt; auch war das Heidenthum gerade in 
Rom, wo das verführerische Bild der römischen Republik noch wenige 
Jahre vorher durch die Verschwörung des Ritters Stefano Porcori 
neu belebt war und noch immer seine Anhänger hatte, politisch ge- 
fährlich. Sie wurden übrigens bald entlassen und der Papst war 
selbst von der allgemeinen Hinneigung für das Alterthum angesteckt, 
so dass er alte Münzen und Gemmen sammelte und dem Volke im 
Carneval die Diana mit ihren Nymphen und den Triumphzug des 
Octavian vorführteg). 
1) Voigt, a. a. 0., S. 447. 
e) Den Verdacht einer geheimen Opposition dieser Akademiker gegen das 
Papstthum könnten einige Inschriften erwecken, die de Rossi, der berühmte Er- 
forscher der Katakomben, in denen der Heiligen Marcellinns und Petrus entdeckt 
hat. In denselben haben sich nämlich diese Akademiker wiederholt, und Zwar 
mit geistlichen Titeln, eingeschrieben. Pomponius (Laetus) ist wiederholt als Pon- 
tifex maximus oder sogar in der Formel regnante Pomponio, ein gewisser Panta- 
gathus als Sacerdos Academiae Romanae aufgeführt, sie nennen sich dabei Anti- 
quitatis perscrutatores oder amatores und haben ein Mal auch die Jahreszahl 1475 
beigefügt (Roma sott, Vol. I, p. 6). Diese Versammlungen in den Katakomben,
        

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