Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176438
530 
Historische Einleitung. 
Es war ein grosses Ereigniss, dass derselbe Geistliche, dessen 
er sich zur Ordnung und Aufstellung dieser Bibliothek bedient hatte, 
Tommnztmswo Parentucelli, in den Florentiner Kreisen als Freund dieser 
Studien wglilbekannt, unter dem Namen Nicolaus V. (von 1447 bis 
1455) den päpstlichen Stuhl bestieg. Von allenlSeiten meldeten sich 
die Literaten, persönlich oder doch in Sendschreiben, ihm Glück zu 
wünschen und sich zu empfehlen. Und sie hatten sich im Ganzen 
keinesweges getäuscht, er bewährte sich als eifrigen Gönner dieser 
Studien und verwendete die reichen Mittel, welche ihm die gesteigerte 
Frömmigkeit seiner Zeit gewährte, zu freigebiger Unterstützung der- 
selben. Rom wurde nun der vornehmste Sammelplatz der Huma- 
nisten; selbst Laurentius Valla, der durch manche Schriften, beson- 
ders durch die über die Unächtheit der constantinischen Schenkung, 
sich den Hass der Geistlichkeit und Verfolgungen der Inquisition 
zugezogen hatte, wurde von dem gelehrten Papst mit Freuden auf- 
genommen. Seine Tendenz war indessen eine sehr bestimmte und 
einseitige. Auf neue Dichtungen und geistreiche Philosopheme kam 
es ihm weniger an, als auf Vermehrung _des literarischen Materials. 
Ein Gelehrter, der dazu besonders geeignet schien und mit den 
dringendsten, durch alle Hülfsmittel päpstlicher Macht verstärkten 
Empfehlungen ausgerüstet wurde, musste das ganze Abendland durch- 
forschen, andere Sendboten machten im Orient zahlreiche Ankäufe 
vonWgiechischenß-und selbst. hebräischen Schriften. Besondersßabei" 
wünschte er, diese Schätze fremdländischer Weisheit den Italienern 
zugänglich zu machen. Trotz aller Bemühungen war die Kenntniss 
der griechischen Literatur in Italien noch immer eine seltene, zum 
Theil schon aus dem Grunde, weil es an Abschreibern des Griechi- 
schen fehlte. Nicolaus fasste daher den Plan, diesem Mangel durch 
lateinische Uebersetzrmgen der griechischen Werke abzuhelfen. 
Buchä-"awiiächairnngen und Uebersetzungen waren seine vorzüglichste 
Sorge, dies die Arbeiten, die er am freigebigsten bezahlte. Bei zahl- 
reichen Autoren, namentlich bei den griechischen Philosophen, er- 
reichte er seinen Zweck, aber die Freude, den Homer im Versmaasse 
des Originals übersetzt zu erhalten, nach der er mit allen Kräften 
gestrebt hatte, wurde ihm nicht mehr zu Theil. Dagegen hatte er 
den Ruhm, die bis dahin unbedeutende päpstliche Bibliothek in einem 
glänzenden Zustande zu hinterlassen. 
Neben dieser mühsamen und anspruchslosen Thätigkeit der Er- 
haltung und Aufbewahrung des literarischen Materials bestand dann 
aber eine andere, viel regere, die den Humanisten sehr viel mehr 
am Herzen lag. Sie fühlten sich nach dem Vorgange Petrarcafs als
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.