Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176397
526 
Einleitung. 
Historische 
ins Auge und bildet sich daraus ein Ideal mit allgemeinen, rein 
menschlichen Zügen. Es ist augenscheinlich, dass dieser Idealbegrifl 
von dem des liebesbedürftigen, edlen Herzens, wie es Dante und 
seinen Vorgängern vorisöliwebte, "nicht sehr weit entfernt ist, nur 
dass er eine grössere Freiheit und Selbstständigkeit voraussetzt. 
Während Dante eine Welt vonqGegeiiständen vor Augen hat, unter 
denen der Mensch wählt und dadurch seinen Werth bestimmt, sieht 
Petrarca mehr auf das Subject. Sein Ideal ist der vollkommene oder 
nach Vollkommenheit strebende Meääaivns" ist also auch bei ihm 
wie "eiifiialbesJahrhundert-- später bei den nördlichen Völkern, der 
Begriff,Aderlndlividualität, der sich vorzugsweise geltend macht, doch 
mitwdhem Unterschiede, dass, während diese vorzugsweise die durch 
ihre Schwachen bedingte Abhängigkeit der natürlichen Individualität 
betonen, Petrarca mehr an die Kraft und Selbstgenügsamkeit der- 
selben denkt. Es lässt sich nicht verkennen, dass dies alles bei ihm 
noch sehr unbestimmt auftritt, dass darin Widersprüche und Incon- 
sequenzeii" liegen. Aber im Ganzen hatte er das Richtige, seiner 
Nation Zusagende getroffen und, leitete sie in die ihrem Genius ent- 
sprechende Bahn. 
So lange er lebte, hatte die Fülleuietier Gedanken, die er an- 
regte, die Gemüther vollauf beschäftigt; es waren die Flitterwochen 
der neuen Richtung. Erst nach seinemgTode zeigte sich, welche 
grosse materielle Arbeit dazu erforderlich sei. Zunächst bedurfte es 
einer tieferen und mehr verbreiteten Kenntgiss des Alterthums. Sollte 
sie auch nur Mittel sein, so war sie doch einewlibchst umfassende 
Aufgabe, die nun ausschliesslich in den Vorgrund trat. Vor Allem 
musste man dem Lernbedürfnisse genügen, das der neuen Doctrin 
entgegen kam; Lehrstiixhvble wurden auf Kosten der Republiken oder 
der Fürsten gegründet, wandernde Meister durchzogen das Land, um 
an mehreren Stellen zu wirken. Hagdhiicher der für das Verständ- 
niss der alten Autoren unentbehrlichen mythologischen oder histori- 
schen Kenntnisse, Grammatiken wurden geschrieben. Vor Allem aber 
kam es darauf an, dasiäudium der alten Schriftsteller zu erleichtern. 
Nur wenige derselben waren bekannt und auch diese in einer mässigen 
Anzahl von unzuverlässigen Abschriften. Die scholastische Wissen- 
schaft hatte ihrer nicht bedurft; sie begnügte sich mit den von ihren 
unmittelbaren Doctoren nach älterer Ueberlieferung citirten Stellen. 
Man hatte fast verlernt, IZYerke. inihrem Zusammenhänge zu lesen. 
Sobald es aber nicht mehr bloss auf den sachlichen Inhalt, sondern 
auf die Form, auf das Sprachlichegauf,die tät der Schrift- 
steller ankam, konnte dies nicht mehr genügen. Petrarca selbst
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.