Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176377
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Historische Einleitung. 
Reforrnator. Sein leicht elglegbares Wesen lind seine schrankenlose 
Eitelkeit und Ruhlnsuclit" leiten ihn bald hier, bald dort hin. Er 
schwärmt fiirhCola di Rienzi, ergeht sich zuweilen in republikanischen 
Phrasen und tritt "döch seinen fürstlichen Gönnern gegenüber wie 
ein schmeichelnder Höfling auf. Er eifertfgegen die Verderbniss des 
päpstlichenHofes mit den stärksten Worten, aber er nimmt keinen 
Anstandjwsich bei demselben Hofe um Pfründen zu bewerben. Er 
glaubt, ganz auf gleichem Boden mit (lenalten Römern, besonders 
mit Cicero, zu stehen, aber er hängt noch in vielen Beziehungen mit 
der mittelalterlichen Bildung, mit ihrem Idealismus zusammen. In 
seinen italienischen Gedichten giebt er sich den schon von Dante's 
Vorgängern ausgebildeten Liebesideen ganz hin, verfolgt sie mit den 
rafiinirtesten scholastischen Distinctionen. Auch in seinerProsa lässt 
er es an Spitzfindigkeit und Weitschweifigkeit nicht fehlen. Die 
nlittelalterliche Manier trockenen Aufzählens an einander gereihter 
oder nach gewissen Kategorien geordneter Sätze und Beispiele ist 
ihm noch ganz gewöhnlich. Die Poesie betrachtet er noch über- 
wiegend als Allegfourie, und man staunt, wenn man, durch seinen 
Freund Boccaccio darauf aufmerksam gemacht, in ganz harmlosen 
Schilderungen nun doch Andeutungen eines dem Gegenstande der- 
selben völlig fremden und überdies wenig bedeutenden Gedankens 
entdeckt, den er sonst auch in prosaischer Rede oft ausspricht. Bei 
den Alten ist es zunächst, wie er wiederholt sagt, der Wohlklang der 
Sprache, der ihn anzieht, der leichteFluss der ciceronianischen Rede, 
den er in seinen Briefen und Abhandlungen sich schon ziemlich an- 
geeignet hat. Aber dieser Vorliebe und der damit zusammenhängen- 
den Opposition gegen die Scholastik liegt doch etwas Tieferes, eine 
innere sittliche Uebereinstimmung zum Grunde. Er erkennt darin 
eine Bildpng, die nicht, wie die scholastische, auf einzelnen über- 
lieferten und ad-optirten Sätzen beruht, sondern die aus dem ärgern 
hervorgeht, den ganzen Menschen durchdringt, alle seine Erkenntnisse 
undmÄlnschauungen zu einem Ganzen verschmilzt und so ein sittliches 
Resultat giebt. Wenn er die Aeljzte, die Juristep, "dwiemrästrologen mit 
seinem Spotte verfolgt, so ärgert ihn zunächst der eitle Prunk, mit 
dem sie die unfruchtbare Hohlheit ihrer Wissenschaft bedecken. Aber 
eigentlich kämpft er überhaupt gegen die Scheidung der einzelnen 
wissenschaftlichen Fächer; er rügt die Einseitigkeit, die durch solche 
Trennung entsteht. Sie geben alle Aeus s, Gleichgültiges, nicht 
das, worauf es den lvielgsjzhen ankommt. Er selbst versucht sich da- 
her aufallenaläßllieten, släliillt Dichter, Philosoph, Geschßlllsforscher, 
Theologe in einer Person sein zu können. E; scheint davon überzeugt,
        

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