Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176357
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Historische Einleitung. 
Gestalten der Vorzeit so lebendig heraufbeschwor, vereinigt noch 
Beides, die Liebe für das Alterthum und die für die idealen Ziele der 
mittelalterlicjyeiirisliliciren Welt; diese bildete noch immer den Rahmen 
seiner Gesammtanschauung, in welchem die Antike nur neben dem 
Alttestanientariächen und Christlichen ihre Stelleiand. 
Schon die näclistiieneration stand auf einem andern Stand- 
punkte. Die mittelalterlichen Institutionen, für die Dante noch ge- 
schwärmt, an deren Vorstellung er seine Lebenskraft gesetzt hatte, 
hatten ihre Anziehungskraft verloren, eine andere Anschauung war 
an ihre Stelle getreten. Für die Päpste in Avignon, für die macht- 
losen, von ihren deutschen Interessen ganz hingenommenen Kaiser, 
selbst für das republikanische Städteleben konnte man sicliwnicht 
mehr begeistern. Die Republiken waren unter die Botmässigkeit 
von Tyragnen gerathen oder dem Spiel der Parteien preisgegeben. 
Die Sonderiwnnjaressen traten überall in den Vordergrund. Aber da- 
neben bestanden civilisirte Zustände, blühendeStädte, Handelsreich- 
thum; das Land fühlte sich freier und selbstständiger, seit es nicht 
mehr als Kampfplatz für den grossen europäischen Gegensatz der 
Kirche und des Kaiserthums diente. Das Nationalgefühl litt nicht 
durch den Verfall der politischen InstitutiodenT es trat vielmehr 
kräftiger und reger hervor, als je. Freilich war der Begriff der 
Nation schon jetzt mehr im Sinne der natürlichen,geographisch- 
historischen Einheit, als im politischen, gefasst, aber diese Einheit, 
welche sich durch die Ausbildung einer wohlklingenden Landessprache 
und einer edlen Poesie glänzend bewährte, erfüllte das ganze Volk 
mit jugendlicher Begeisterung. Es wurde sich seiner  vor 
anderen Völkern stärker bewusst und liebte, sie sich zu vergegen- 
wärtigen. Unter diesen war denn aber der der Abstammung von 
jener grossen Vokrzeit des römischen Reiches der bedeutendste; auf 
ihn war man daher vorzugsweise angewiesen, ihn geltend und zur 
Wahrheit zu machen, jene verlorgngfikgosse womöglich wieder her- 
zustellen, war daher die Aufgabe des Patrioten. Wie sehr dies 
Gefühl schon im vierzehnten Jahrhundert verbreitet war, zeigt der 
Applaus, mit dem die Nation das phantastische Unternehmen des 
Cola __Rienzi, trotz seiner kolossalen Verkennung der Verschieden- 
heitßvonujietzt und sonst, empfing. Sein schmähliches Ende lehrte 
aber doch, dass auf diesem Wege die Vorstellung nicht zu erreichen 
sei, dass es dazu einer buessneren Kenntniss, einer gründlicheren An- 
eignung der antiken Bildung bedürfe. Das Mittel dazu gewährte 
nur die antike Ljjgiratal; sie und also zunächst ihre Sprache zu 
studiren, war daher die erste Aufgabe.
        

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