Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176300
Die Kunst des XV. 
Jahrhunderts in Pommern und Preussen. 
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her gedrungen war, ist unverkennbar, aber mit Freiheit und feinem 
Sinne benutzt, so dass diese Glasgemälde durch grossartige Anord- 
nung und Gruppirung, sowie durch Adel und Schönheit der Gestalten 
und besonders der Köpfe eine hohe Stelle unter den deutschen Kunst- 
werken dieser Zeit einnehmenI). 
In Pommern ging die Kunst auf dem Wege weiter, auf dem 
wir sie schon in der vorigen Epoche fanden. Glasmalereien sind fast 
gar nicht erhalten, selbstständige Tafelmalereien kommen, selbst als 
einfache Votivbilder, nur in wenigen Fallen vor und sind schwanken- 
den Styles, bald einen allgemeinen Einfluss der Eyck'schen, bald 
bestimmteren der iiandrischen Schule zeigend. Auch die Flügelbilder 
der Altäre sind meistens handwerksmassig und ohne feineren Aus- 
drucki). Dagegen blieb das Schnitzwerk auch jetzt noch gesucht und 
erhielt sich ziemlich auf der Höhe, wie wir diesen Kunstzweig in der 
vorigen Epoche an dem Altare zu Tribsees fanden. Werke von 
historisch nachwirkender Bedeutung oder Züge provincieller Eigen- 
thümlichkeit sind indessen nicht nachzuweisen, und ich brauche auf 
das Einzelne nicht weiter einzugehen, da es in Kugler's iieissiger 
Arbeit schon gesammelt und geordnet ist. Alle diese zahlreichen 
Altäre sind übrigens ohne Jahreszahl und Namen, indessen lassen 
sie an Trachten und einzelnen realistischen Zügen erkennen, dass 
sich auch hier die Linienführung und die ruhigere, weichere Em- 
pfindungsweise der vorigen Epoche noch weit hinein in das 15. und 
bis an die Gränze des 16. Jahrhunderts erhielt. 
In Preussen war es schon damals Sitte, Bildnisse der Hoch- 
meister in Kirchen und anderen Orten anzubringen. Ulrich von 
Jungingen liess gleich nach seiner Erwählung (1407) das Bildniss 
seines Bruders und Vorgängers durch Peter, den Maler, anfertigen 
und im kleinen Remter zu Marienburg,-neben den Bildern der 
früheren Hochmeister, aufhängen, und nach dem Tode des Heinrich 
Reuss von Plauen wurde es als ein Verstoss gegen die Sitte bemerkt, 
dass die Stiftung seines Bildes lange ausblieb, bis endlich sein dritter 
Nachfolger, Martin, Truchsess von Wetzhausen (J; 1489), ihn und 
mehrere seiner Vorgänger malen liess und in die Donikirche zu 
Königsberg stiftete, wo noch sechs solcher Tafeln, wenn auch über- 
1) Vgl. Näheres nebst einer farbigen Abbildung in v. Quast, Zeitschxz, II, 33. 
e) Kugler, Pommersche Kunstgesch. in d. kl. Sehr. I, S. 802 if. Etwas besser 
als die übrigen scheinen die Gemälde auf einem Altarschreine in der Nicolai- 
kirche zu Stralsund, welche Kugler mit denen des älteren Holbein vergleicht, ob- 
gleich sie alterthümlicher, geringer, und in der Behandlung des Nackten ziemlich 
roh sind.
        

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