Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176271
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Schulen 
Die 
Grenzlande. 
östlichen und nördlichen 
der 
stimmtem Ausdrucke. Selbst die Apostel auf den Flügeln stehen 
nicht gleichgültig und müssig, sondern schreiten in lebhaftem, ernsten 
Gespräche der heiligen Scene des Mittelbildes zu. Die Köpfe sind 
alle höchst individuell, der knieende König mit dem bartlosen, scharf 
markirten Gesichte und dem neben ihm liegenden Herzogshute offen- 
bar ein Bildniss, wahrscheinlich des Stifters. Selbst Maria kann 
Porträt sein, dann aber das eines bewusst gewählten Modells, das 
eine ganz andere Richtung anzeigt, als die Madonnen der Nieder- 
lander. Das längliche Oval ihres Gesichts mit dem schlichten, lang 
herabhangenden Haare ist von edelster Schönheit, milde und de- 
müthig; aber nicht mit jugendlicher Fülle oder mit allgewinnender 
Freundlichkeit ausgestattet, sondern ernst und strenge. Die Zeich- 
nung ist im Ganzen, mit Ausnahme vielleicht der Gestalt des Mohren- 
königs, correct und sicher, die Farbe warm und kräftig, aber nicht 
von der reichen harmonischen Mannigfaltigkeit, wie in Flandern, 
der Faltenwurf sehr würdig und stylvoll, der Ausdruck der Köpfe 
sprechend. Die Wirkung des Bildes ist höchst bedeutend, einiger- 
maassen verwandt mit Zeit.blom's Bildern; es ist derselbe schlichte, 
tiefe Charakter deutscher Sinnesweise, nur dass der Meister von 
Meissen den schwäbischen noch in zusammengehaltener geistiger 
Energie übertrifft. Andere Bilder seiner Hand oder auch nur von 
augenscheinlichem Schulzusammenhange mit ihm sind nicht bekannt 
und über seinen Namen fehlt uns jede Andeutung; da er aber sich 
an keine der anderen deutschen Schulen anschliesst, werden wir die 
Gegend seines Auftretens auch für seine Heimath halten müssen. 
In der Mark Brandenburg sind noch viele Kunstwerke er- 
halten, bei denen wir aber nicht wissen, ob ihre Meister Einheimische 
oder Fremde waren. Nur bei einem Kunstzweige, beim Metallguss, 
scheinen die letzten überwiegend. Auf dem Taufbecken in St. Ka- 
tharina, von 1421, nennt sich Ludwig Gropengheter, wohnhaft zu 
Braunschweig, auf dem in der gleichnamigen Kirche zu Branden- 
burg, von 1440, Pyterich Molner von Erfurt, auf dem von 1435 in 
der Ulrichskirche zu Halle ein Ludolf von Braunschweig, der aber 
mit seinem Sohne Heinrich ihn in Magdeburg goss, auf dem in St. 
Nicolaus zu Osterberg, von 1446, Meister Volker von Mundt, also 
von Münden oder Minden, und endlich auf dem von 1522 in der 
Marienkirche zu Salzwedel ein Meister Hans von Köln, aber in Nürn- 
berg wohnhaft. Das untergegangene niessingene Taufbecken der 
Petrikirche zu Berlin hatte Heinrich von" Magdeburg im Jahre 1434 
gegossen. Indessen scheint es auch hier an einheimischen Meistern 
nicht ganz gefehlt zu haben, da ein Hermann Bonstede im Jahre
        

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