Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176249
Altar 
der Elisabethkirche zu Breslau. 
der Familie Prockendorf in 
511 
deutschen Kunst des XV. Jahrhunderts gehörenl). Auf der bei dem 
Schlüsse dieser äusseren Flügel sichtbaren Rückseite ist dann end- 
lich in nicht uninteressanter Composition die Trennung und- Ver- 
breitung der Apostel, die man in weiter Landschaft zerstreut sieht, 
jedoch in roherer, wohl erst dem 16. Jahrhundert angehöriger Aus- 
führung dargestellt. 
Im Ganzen sind an den zahlreichen Altären und Epitaphien der 
Breslauer Kirchen die Schnitzwerke besser als die Malereien, und es 
ist bemerkenswerth, dass sich an ihnen noch längere Zeit Züge des 
idealen Styles erhalten, wovon, neben dem eben geschilderten Altar- 
werke, eine mit der Jahreszahl 1496 bezeichnete, überlebensgrosse 
Holzstatue der Jungfrau mit dem Kinde, aus der Adalbertskirche 
stammend, im Vereinsinuseum, ein ausgezeichnetes Beispiel giebt. 
Neben diesen feineren Zügen macht sich dann aber oft ein aut- 
fallend roher Naturalismus geltend, der so weit geht, dass die Holz- 
statue des leidenden Christus (offenbar, um sie natürlicher und da- 
durch noch ergreifender zu machen) eine Perrücke von natürlichem 
Haar erhalten hata). Indessen kommen dazwischen immer wieder 
anscheinend aus verschiedenen Gegenden eingewanderte bessere 
Künstler vor, zu denen derjenige gehört, welcher den von 1508 
datirten Stanislaus-Altar in der Goldschlägercapelle in St. Magda- 
lena und wahrscheinlich auch das in derselben Kirche befindliche 
Relief fertigte, auf welchem St. Lucas im gewölbten und reichlich 
möblirten Zimmer die Jungfrau malt, während sie als wirthschaft- 
liche Mutter an einem Röckchen für das auf der Erde spielende 
Christkind nähtß). Die vollen, gefällig weichen Züge erinnern an 
schwäbische Schule, während die landschaftlichen oder architektoni- 
schen Hintergründe auf den Gemälden des Altarwerkes den nun 
schon allgemein verbreiteten Einfluss der ilandrischen Meister er- 
kennen lassen. 
Noch weniger, als in Oesterreich und Schlesien, kam es in 
Norddeutschland, in Sachsen, den Marken, den Küstenländern, 
zur Bildung selbstständiger Schulen. Zwar war auch hier jetzt ein 
erhöhter Kunstbetrieb, zum Theil durch einheimische Meister. Aber, 
1) Vgl. die jedoch etwas zu glatt undfmodern ausgefallenen Abbildungen in 
Förstefs Denkmalen, Bd. VI. 
2) So u_ a. an einem von 1492 datirten Altare.  Luchs, Die Elisabethkirche, 
Nr. 102. 
a) Abbild. in Försterk Denkm., Bd. VI. Vgl. auch Alwin Schultz a. a, O.
        

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