Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176220
Einfluss anderer 
Malerei. 
Schulen auf die schlesische 
deutscher 
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Täufer und Bartholomäus, von grosser Schönheit und individuellem 
Ausdrucke sind. 
Ein bedeutendes Kunstwerk ist sodann der  in 
der Elisabethkirche,der schon wegen seines reichen Inhalts uendwiles 
schlanken architektonischen Aufbaues Beachtung verdientl). In fünf 
Stockwerken erhebt er sich; unten die Predella mit sechs Büsten 
verschiedener Heiligen, dann der Schrein, durch gothische Glieder 
in vier Nischen mit je einer lebensgrossen Gestalt getheilt, auf den 
Seiten Johannes der Täufer und die heilige Hedwig, in der Mitte 
die Verkündigung in der seltsamen, aber noch einige Male vor- 
kommenden Weise, dass der Engel das Hüfthorn blast und das Ein- 
horn sich im Schoosse der Jungfrau birgtil); dann darüber in einem 
zweiten kleineren Schreine die gekrönte Maria, zwischen Gott Vater 
und Christus thronend, demnächst als viertes Stockwerk die lebens- 
grosse Himmelskönigin mit dem Kinde, und endlich ganz oben zwei 
Engel. Auch die Innenbilder der Flügel sind Reliefs, die Geburt 
Christi und andere Momente seiner Kindheit und den Tod der Maria 
darstellend. Nach dem Schlüsse dieser ersten Flügel sieht man acht 
Gemälde, wiederum aus dem Leben der Maria, von ihrem frühen 
Aufsteigen zum Tempel bis zur Ausgiessung des heiligen Geistes, 
sonderbarerweise nicht einmal in chronologischer Folge, darunter 
zwei ungewöhnliche. Auf dem einen arbeitet der Christusknabe, der 
im vorhergehenden Bilde im Tempel lehrend gezeigt war, an der 
Hobelbank, in kindlichem Gehorsam, während die Mutter, gekrönt 
zwar, doch spinnend, mit dem drohend aufgehobenen Finger ihn in 
Zucht zu halten scheint; also eine stark betonte Mahnung zu kind- 
licher Unterwerfung. Dem andern liegt zwar die Legende von dem 
Aufenthalte der jungen Maria im Tempel zu Grunde: in einer gotl1i- 
sehen Kirche kniet sie betend in dem mit goldnen Aehren bestickten 
dunkelgrünen Kleide, das wir schon im Oesterreichischen fanden. 
Allein hinter ihr kniet dann auch die zahlreiche Familie des Stifters, 
fünf Nlänner und vier Frauen, welche, dies Gebet für sich benutzend, 
sie anrufen: „Ora pro nobis, sancta dei genitrix Maria". Endlich 
nach dem Schlüsse der äusseren Flügel zeigen sich wieder vier 
Bilder, aber aus der Passionsgeschichte, diese sowie die Pfingstscene 
von der Hand von Gehülfen, roher oder weichlicher. Das ganze 
Werk ist 7 Fuss breit und über 25 Fuss hoch und thürint sich in 
die N. 
der auf 
1) Dr. Luchs, Die Elisabethkirche, S. 117-131. 
1') Ueber ähnliche Darstellungen Otte, Kunstarchäologie, 
Thür. Sächs. Vereins V, 1, 111-121 verweist. 
des 
Mitth.
        

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