Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176184
der 
Altar in 
zu Breslau. 
Barbarakirche 
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haft auch der Zeichner ist, hat die Motive seiner Bilder nicht 
geradezu erfunden, sondern, wie wir jetzt wissen, einer Handschrift 
von 1353 entlehnt, aber mannigfach im Geiste der neueren Zeit 
belebt, und seine Blätter haben dann wieder einer grossen Tafel 
mit 32 Darstellungen aus derselben Legende, die bald darauf in 
St. Bernardin zu Breslau gestiftet wurde und noch erhalten ist, und 
endlich noch nach einem halben Jahrhundert den Holzschnitten eines 
im J. 1504 gedruckten Werkes zum Vorbilde gedientl). Freytags 
Zeichnungen, obgleich, wie gesagt, naturalistisch belebt, stehen doch 
dem Altar von 1447 insofern nach, als sie in der Zeichnung und in 
Bewegungen noch mehr dem idealen Style anhängen, und in noch 
höherem Grade gilt dies von jener Tafel, welche noch ganz den 
Schwung der Linie, aber auch die unbestimmte Charakteristik, die 
flache und weiche Modellirung jenes älteren Styles hat. 
Mehr als ein Decennium vergeht demnächst, ehe wir weitere 
Fortschritte der Kunst nachweisen können, dann aber entdecken wir 
eine so nahe Beziehung zu1jfland1ischeii Swchulevhxyie sie in dieser 
entlegenen Gegend nicht zu erwarten war. Das Denkmal, welches 
dies beweist, ist ein jetzt in der Sacristei des Deines befindlicher 
Flügelaltar, der zufolge einer zwar etwas spätern, aber völlig glaub- 
haften "Inschrift im Jahre 1468 von dem Dr. Paulus von Wartenberg 
1) Vgl. darüber Dr. H. Luchs, Die Bilder der Hedwigslegende, Breslau 1861, 
mit 25 Holzschnitten. Schon das Vorbild der Freytaglschen Zeichnungen ist 
interessant; es ist eine jetzt im Kloster Schlackenwerth in Böhmen bewahrte 
lateinische Handschrift derselben Legende, deren Urheber sich darin mit der 
Jahreszahl 1353 als Nicolaus Pruzie (Prussiae) foris civitatem Lybin (d. i. 
Lüben in Schlesien) nennt, der erste preussische Künstler. Die Bilder dieses 
Codex sind von Adolf v. Wolfscron, Wien 1846, Fol., publicirt. Die Inschrift 
von 1451 giebt eine ausführliche Geschichte; sie erzählt, dass der Text auf Bitte 
des Erbarn Mannes Anton Hornyng, Bürgers zu Breslau, aus dem Lateinischen 
ins Deutsche übersetzt und so am 22. Febr. 1451 beendet, „in der Meinung, dass 
derselbe erbare Antonius Hornyng es solle lassen fürbas getreulich und kost- 
lich schreiben, was denn im Auftrage desselben durch seinen dienstwilligen 
Diener Petrus Freytag am Donnerstage nach Maria Assumtion (19. Aug.) desselben 
Jahres geschehen sei". Man kann hiernach nicht zweifeln, dass dieses Hkostliche" 
Schreiben auch die Zeichnungen umfasste. Dass die Tafel in St. Bernardin nicht 
das Vorbild dieser Zeichnungen, sondern mit ihrer Benutzung entstanden ist, 
weist Dr. Luchs überzeugend nach, und augenscheinlich sind auch die Holz. 
schnitte der im J. 1504 bei Conrad Baumgarthen in Breslau gedruckten Hedwigs- 
legende im Wesentlichen Nachahmungen der Handschrift von 1451. Ueber diese 
Handschrift und die Hedwigstafel hatte übrigens schon früher Büsching mit ge- 
wohnter Ueberschätzrlng der schlesischen Kunstleistttngen geschrieben, worüber 
Fiorillo a. a. 0., I, 153 berichtet.
        

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