Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1170822
Carl Schnaasefs Biographie. 
LIII 
heben muss. Es kommt durchaus darauf an, die Naturseite der 
Religion festzustellen, anzuerkennen, dass kein Gegensatz zwischen 
Tradition und natürlichem Gefühl ist, und diese Aufgabe kann nur 
durch die Wissenschaft gelöst werden. Die gewöhnliche Religiosität 
(die sich vorzugsweise dafür halt), verkennt die tiefe Religiosität der 
Unbefangenen und stellt sich ihr in allerlei künstlichen und gesuchten 
Formen entgegen. Die Wissenschaft allein ist es, welche unbefangen 
ist, wie diese letzte natürliche Religiosität, und einsehen kann, worin 
der Zwiespalt liegt. Wenn sie ihn bei sich mehr ausgeglichen hat, 
wird er sich auch im Leben von selbst lösen, so viel wie nöthig, 
denn in gewissem Grade bleibt er immer stehen." 
Seine Lebensweise in dieser Zeit schildert Schnaase als einfach, 
Still und etwas spiessbürgerlich, seinen Unigangskreis klein. "Indessen", 
sagt er, „befinde ich mich dabei wohl und es scheint fast, als 0b der 
Umgang der Geistreichen für mich eine zu gewürzte Diät sei, ich 
vertrage sie nicht lange und liebe im täglichen Leben mehr die 
Wiärine des Gefühls, als die des Kopfes. Ruhe und Klarheit ist mir 
Bedürfniss, und daran fehlt es den funkelnden Geistern mehr oder 
Weniger. Ich befinde mich freilich dadurch in einem Widerspruch 
und bin schwer zu befriedigen. Unruhig und gewöhnt an geistige 
Genüsse, sagt mir das Gewöhnliche, die blasse Grazie des Lebens, 
allein nicht zu, während ich sie auch wieder nicht entbehren kzlnn. 
Aber Beides findet sich so schwer beisammen." 
Im Herbst 1834 holte Schnaase seine Frau von Eins ab, wo sie 
wieder eine Kur gebraucht hatte und machte mit ihr eine kleine 
Reise in den Odenwald. Beide gingen leidlich wohl in den Winter, 
und Schnaase bereitete sich vor, während desselben Vorlesungen über 
Kunstgeschichte vor einem kleinen Kreise zu halten. Sie wurden 
auch im Anfang des neuen Jahres im eigenen Hause begonnen und 
gewährten ihm eine sehr erfreuliche Anregung, mussten aber bald 
unterbrochen werden, weil eine hartnäckige Heiserkeit Schnaase das 
Sprechen verbot. Er iing nun an, seine Vorträge niederzuschreiben, 
die Arbeit vertiefte sich mehr und mehr und so entstanden die An- 
fänge seiner Geschichte der bildenden Künste, des Werkes, welches 
seinem Namen eine bleibende Bedeutung geben, die Betrachtung
        

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