Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176030
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Grenzlande. 
östlichen lind nördlichen 
Die Schulen der 
Nähe und bei den Berührungen mit italienischen Malern, die in 
diesen Grenzgegentlen nicht ausbleiben konnten und von denen wir 
ja schon am Anfange des Jahrhunderts Spuren gefunden haben, kann 
es nicht befremden, wenn tyrolische Gesellen schon damals die Berge 
hinabstiegen und von ihren Kunstgenossen in Padua und Verona 
lernten 1). Auch beweisen unsere Bilder selbst, dass die Zeit, wo die 
deutsche Kunst diesem Einflüsse bedeutend nachgab, noch nicht ge- 
kommen war; sie haben trotz desselben noch den heimischen Cha- 
rakter, und namentlich von der Vorliebe für die Antike, die bei 
Mantegna so gross war, keine Spur. Wichtig für unsern Zweck und 
zweifelhaft ist es aber, ob Pacher selbst oder vielmehr einer seiner 
(Yehülfen dieser Ilalienfahrer war, und fast wird man das Letzte an- 
nehmen müssen. Denn sowohl jene beiden früher erwähnten Werke 
als das Innere des Wolfgangs-Altares lassen keine erhebliche Spur 
des Italienischen, wohl aber einen starken Einfluss des Flandrischen 
erkennen, und es ist nicht wohl denkbar, dass die italienischen Stu- 
dien erst zurück und dann wieder so mächtig in den Vordergrund 
getreten sein ivürtlen. Auch die Hypothese, dass Pacher schon als 
vollendeter Meister, etwa nach Vollendung des Altars zu Gries, oder 
sogar von St. Wolfgang aus, vielleicht auf Veranlassung des gelehrten 
Abtes von Mondsee und in einer Pause der grossen Arbeit, eine 
Studienreise nach Padua gemacht und mit frischen Eindrücken die 
Zeichnungen zu den noch übrigen Bildern entworfen habe, ist doch 
zu kühn und den damaligen Verhältnissen der Künstler nicht ent- 
sprechend, während es sehr wohl sein kann, dass Pacher einem ge- 
schickten Gesellen, der eben über die Alpen heimkehrte, nicht blos 
die Ausführung der einen, sondern die Composition und die Leitung 
der andern jener beiden Bilderreihen überlassen habe. Auch der 
Umstand spricht dafür, dass wir in andern tyrolischen Maler- und 
Schnitzwerken wohl den Einfluss Pachefs mit seinen niederländischen 
Anklängen, aber keineswegs eine Nachwirkung des italienischen Ele- 
mentes wahrnehmen. 
Um 1480 erhielt Pacher den Auftrag, den Hochaltar in der 
1) Auch die Zeichnungen nach Gemälden von Vivarini, Giobto und Squar- 
cione, zum Theil mit deutschen Inschriften, Ortsangaben von Venedig, Padua, 
Verona und sogar Pavia, und mit der Jahreszahl 1492, welche in einer Sammlung 
nahe bei Salzburg waren und von Petzold im Deutschen Kunstblatt 1852, S. 74 
beschrieben sind, werden von solch einem wandernden Maler aus dieser Gegend 
herrühren. Petzold vermuthet zwar wegen der auf einem dieser Blätter gefundenen 
Buchstaben B. Z. auf Bartholomäns Zeitblom, aber die Gemälde dieses Künstlers 
Zeigen keine Spur italienischen Einilusses, der doch nicht ausgeblieben sein würde.
        

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