Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1170813
LII 
Biographie. 
Schnaasefs 
Carl 
von der Beobachtung des Einzelnen aus, und er war dafür mit einem 
eben so feinen Sinn, wie scharfen Blick ausgestattet, der in der Folge 
durch Uebung immer mehr sich vervollkommnen sollte. Aber er 
bleibt dabei nicht, wie die meisten Reisenden, stehen; er sucht zum 
geschichtlichen Zusammenhange, zu einer tieferen knnstphilosophischen 
Betrachtung durchzudringen. Einerseits erörtert er als ein Mann, 
der nicht vergebens die Philosophenschulen seiner Zeit durchgemacht 
hat, in speculativer Untersuchung das innere Wesen der Künste; 
andererseits versenkt er sich in die geschichtlichen Grundbedingungen 
des künstlerischen Schaffens, erforscht den Geist der Zeiten, betrachtet 
den Charakter des Landes, das Wesen des Volkes und zeigt uns, 
wie die Kunst als feinste Blüthe dieser Verhältnisse sich langsam und 
stetig entwickelt. So verbinden sich in seinem ordnenden Geiste 
die einzelnen Anschauungen einer Reise zu bedeutsamen Capiteln 
einer Aesthetik der bildenden Künste, und die Kunstgeschichte selbst 
wird unter seinen Händen zu einem der wichtigsten Zweige der 
Culturgeschichte. Man muss lesen, wie er die Landschaftsmalerei, 
wie er das holländische Sittenbild aus der Art des Landes und des 
Volkes, aus seinen Lebensgewohnheiten, Ueberlieferungen, seiner Ge- 
schichte, seiner politischen und religiösen Anschauung erklärt, und 
man wird gestehen müssen, dass Feineres, Tiefsinnigeres bis auf den 
heutigen Tag nicht darüber geschrieben wurde. Und hier tritt denn 
auch der hohe universelle Standpunkt seiner Art die Kunstgeschichte 
aufzufassen, gegenüber der heut zu Tage immer mehr zur Herrschaft 
gelangenden, welche vorzugsweise auf Detailuntersuchungen der Technik 
hinausläuft, in helles Licht. Die Nothwendigkeit solcher hlikroskopie 
soll nicht geleugnet werden; aber wer mit solcher blossen Handlanger- 
arbeit die Aufgabe des Kunsthistorikers für erschöpft ansieht, der 
ist im günstigsten Fall dem einzelnen Steinhauer zu vergleichen, der 
sich für den leitenden Baumeister hält. 
„Den eigentlichen Zweck des Buches," schreibt er bald nach 
dessen Erscheinen an Roestell, „wollen wir besprechen, wenn Du das- 
selbe gelesen. Ich erwarte, dass unsere Ansichten sich begegnen 
werden. Ich glaube, dass die Wissenschaft besonders es ist, welche 
in unseren Tagen den religiösen Zwiespalt nährt und welche ihn auch
        

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