Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176028
Der Altar zu 
Wolfgang, 
489 
Die vier Aussenbilder endlich aus der Geschichte des Ortsheiligen, 
auf denen die Landschaft die Umgebungen des Sees von St. Wolf- 
h der Natur, wenn auch mit conventionellen Räumen ms 
111 allgemeinen Zügen wiedergibt, sind von einer dritten, geringe- 
ren Hand und namentlich in den Köpfen roh und geistlos. Aber 
bei alledem sind sie der eben geschilderten Reihe sehr nahe ver- 
wandt, es ist dieselbe räumliche Anordnung, dieselbe Vorliebe für 
architckttlnis__che Perspectivenrllimdifüi" Verkürzungen, dieselbe Cha- 
rakteristik, es sind offenbar Compositionen desselben Meisters, und 
auch in der Zeichnung, obgleich sie hier noch härter, und in der 
Farbe, obgleich sie bleicher und stumpfer geworden ist, erkennen 
wir dieselbe Richtung und Schule. Sehr merkwürdig ist dann, dass 
wir in diesen beiden Bilderreihen unzweifelhaft italienische Studien 
wahrnehmen. Schon die Architektur ist nicht deutsch, sie hat zwar 
mehr oder weniger gothische Formen, aber nur in der Weise wie 
sie auch in Italien vorkommen, die Bögen sind wie dort rechtivinklig 
proiilirt, die Mauern oder doch die Gliederung und Wandecken wie 
dort aus wechselnden Stücken rothen und gelben Marmors zusammen- 
gesetzt. Auch in diesen Alpengegenden ist die Anwendung des Mar- 
mors ungewöhnlich, das Portal von St. Wolfgang selbst ist in solchem 
Steine, aber doch trägt die Architektur gnicht diesen völlig italieni- 
schen Charakter. Wichtiger ist aberfdass auch die Figuren einen 
ganz bestimmten Einfluss italienischer Kunst, und zivai- den des Man- 
tegilaLzeigen. Gewisse schlanke Jünglinge, besonders solchefiwelche, 
wie die Steinigenden im 'l'e1npel oder wie die Bauleute auf dem Ge- 
rüste auf einem Aussenbilde, sich zur Erde beugen und verkürzen, 
erinnern auf das Lebhafteste an Figuren des Paduanischcn Meisters, 
namentlich in seinen Fresken bei den Eremitanen. Ueberdies kommen 
auch die etwas harte Zeichnung, die fast pedantische Naturtreue des 
Einzelnen, die Vorliebefür perspectivischeliggirgleme und selbst der 
etwas graue Farbenton unserer Bildersäiimtlich in ganz ähnlicher 
Weise ber-Mantegna vor, und man kann unmöglich annehmen, dass 
sie sich hier durch Zufall wieder eben so zusammengefunden hätten. 
Chronologisch hindert nichts den unmittelbaren Einfluss Mantegna's 
anzunehmen. Er war bekanntlich 1431 geboren, entwickelte sich 
sehr frühe, malte jene Fresken bei den Eremitanenselbst nach der 
spätesten Annahme (Vasari ed. Lemonnier. V. 161) von 14b?) bis 
1459, also mindestens acht Jahre vor der ersten Erwähnung Pachefs 
als ltleistei- in Bruneck und zwanzig Jahre vor dem Gemälde von 
St, Vvolfggmg. Zwar war es damals noch keineswegs gewöhnlich, 
dass deutsche Künstler nach Italien wanderten, allein bei der grossen
        

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