Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1176012
488 
Die 
Grenzlande. 
Schulen der östlichen und nördlichen 
Bildes zu stellen, und selbst dem Tode der lllaria hat er durch einen 
weiten Rundbogen mit Statuen und Baldachinen eine Art architek- 
tonischer Einrahmung gegeben, ähnlich wie zuweilen Roger van der 
Weyden. 
Die acht Scenen aus der Geschichte des Heilandes unterscheiden 
sich von den Innenbildern in manchen Beziehungen; die Farbe ist 
zwar warm und kräftig, aber schwerer und undurchsichtiger, die 
Linienführungspröder, die Zeichnung härter, die ganze Behandlung 
nicht so frei und harmonisch wie dort. Aber auch diese Bilder, ob- 
gleich sie meistens sehr complicirte Vorgänge darstellen, sind vor- 
trefflich coponirt; die Massen sondern sich sehr geschickt, die 
Hinterwände sind belebt, die Gestalten alle von sprechendem Aus- 
drucke, keine leer und nichtssagend. Das Wohlgefallen an perspec- 
tivischen Aufgaben wiederholt sich und geht hier noch weiter. Bei 
der Hochzeit zu Cana ist im Hintergründe der Halle, wo die Gäste 
tafeln, noch eine Treppe angebracht, von welcher Diener herabsteigen; 
bei der Scene, wo Christus der Steinigung entgeht, sehen wir ihn 
schon ausserhalb des Marmorportals, durch dasselbe abermin das 
Innere des "von einer Kuppel magisch beleuchteten Tempels; bei der 
Erweckung des Lazarus ist gar eine künstlich berechnete, reiche Lo- 
calität, indem wir, etwa im Hofe stehend, überWdjepGrabhalle fort 
auf die Landstrasse mit Bergen und Schlössern, und über die an 
das Wohnhaus anstossende Mauer in eine städtische Strasse sehen. 
Es würde zu weit führen, wenn ich auf einzelne Gestalten eingehen 
wollte, auch an ihnen ist alles voll Geist und Leben. Die Versuchung 
hat schon etwas von dem Phantastischen, das sich sonst erst im An- 
fange des XVI. Jahrhunderts entwickelt; im Vordergrunde Satan im 
gelben Kleide mit höhnischer Miene und grossen Hörnern, der sich 
tief vor Christus beugt und auf die vor ihm liegenden Steine weist; 
weiter hinten beide auf dem Berge, und zur Seite der Tempel, ein 
phantastisch gothisches Gebäude mit rothen und schwarzen Marmor- 
saulen, auf dessen oberstem Balcon Christus wieder mit dem Ver- 
sucher steht. Die Zeichnung ist durchweg genau und zeigt, selbst 
bei der nackten Gestalt Christi in der Taufe, ein sorgfältiges Natur- 
stuiliim; der Künstler ist sich auch dessen bewusst, er gefällt sich 
schon in Verkür n, die er auch recht geschickt ausführt. Aber 
zugleich sind die Umrisse lhaggltxund spröde und die inneren Theile 
"mit Details überfüllt. Daher gelingen ihm denn auch die Neben- 
figuren besser als Christus, der mit schwächlichem, weinerlichen Ge- 
sicht und kleinlich gelocktem Haare keineswegs sehr edel und be- 
deutend erscheint.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.