Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175985
IMichael Pacher. 
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Heiligen Wolfgang und Benedictus in bischöflichen Gewändern und 
darüber erhebt sieh eine zwar in Formen der Spatzeit gebildete, aber 
doch sehr reizende und stylvolle gothische Architektur mit Bögen, 
Fialen und schlanken Fenstern, welche durchweg aufs Reichste ge- 
gliedert und vergoldet fast die halbe Höhe des Schreines füllt. Die 
Mittelgriippe "erscheint daher als der Kern und lnhalt der glänzend- 
sten Umgebung und erhält den ganzen Vortheil dieser grossartigen 
Anlage ohne die Schwere eigner grosser Körperlichkeit. Auch das 
ist weise, dass der Meister die beiden Hauptgestalten fast ganz im 
Profile einander zugewendet darstellt, wodurch der Beschauer mitten 
in diiflieilige Handlung hineingezogen wird und an dem leuchtenden 
Golde tiefere Schatten entstehen, welche die Körperbildung beleben 
und dem Ganzen einen ernsten, bedeutsamen Charakter geben. Dazu 
kommt dann aber die Schönheit der Gestalten selbst, besonders der 
lllaijia, welche gleichsam in jungfräulicher Scheu vor der Majestät 
Gottes das Haupt zur Seite wendet und so dem Beschauer den vol- 
lenÄAnblick "der lieblichen und zugleich edlen sZüge gewährt. Es ist 
eine der schönsten Darstellungen dieses bevorzugten Gegenstandes 
der damaligen Kunst. Geht man auf Einzelnheiten ein, so findet sich 
freilich neben diesen Vorzügen manches Wunderliche und Manierirte. 
Seim, Faltenwurfe, der bald parallele schräge Linien von grosser 
Vertiefung, bald Dreiecke, bald wenigstens auffallende, durch die 
Haltung; der Figuren keineswegs erklärte Winkel bildet. Auch sind 
die Engel, zum Theil. gespreiztmunäd affectirt, sann selbst der Körper 
des heil. Wolfigangmistnichtkklarm__geld'achtqund verstanden. Von dem 
sonstigen Schnitzwerk ist die Anbetung der Könige in der Predella 
sehr reizend; sie sowohl wie die beiden nurwbei geschlossenen Flü- 
geln sichtbaren Statuen neben dem Schreine, der heil. Florian und 
Georg, mögen von der Hand des Meisters, die zahlreichen Statuen 
aber in dem noch 15 Fuss über den Altarschrein aufsteigenden Auf- 
satze, obgleich für diese Stelle ganz gelungen, eher Arbeiten eines 
Gesellen sein. Wichtiger sind uns die zahl- und umfangreichen Ge- 
mälde; auf den doppelten Flügeln in zwei Reihen zusammen sechszehn 
Tafeln von fast 6 Fuss Höhe und 41], Fuss Breite, dann die Flügel 
der Predella, ebenfalls innen und aussen bemalt, und endlich Male- 
reien auf der ganzen Rückseite des Schreines und Sarges. 
Die Wahl der Gegenstände wird zwar hauptsächlich von dem 
Besteller ausgegangen sein, indessen enthält sie theilweise so unge- 
wöhnliche Gegenstände, dass man ein Entgegenkommen des Künstlers 
dabei voraussetzen muss. Bei voller festlicher Oelfnung sieht man 
in dem der Verherrlichung der Jungfrau gewidmeten Schreine nur
        

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