Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175958
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östlichen und nördlichen Grenzlande. 
Schulen der 
Die 
ung eines aus Schnitzwerk nnd Malerei bestehenden Altarwerkes für 
ihre Pfarrkirche binnen vier Jahren und gegen den bedeutenden 
Preis von 350 Mark Perner guter Meraner Münze verpflichtete. Er 
erhält dabei den Tit l eines „ehrbaren und weisen" Meisters, und 
dass der Vertrag in Gegenwart des Bürgermeisters von Botzen ge- 
schlossen und von demselben auf sein Ersuchen mit untersiegelt 
wurde, beweist, dass er sich schon eines mehr als gewöhnlichen An- 
sehens erfreute. Die Gemälde auf den Aussegsejten der  
bergLGeisselung, Kreuzigung und Auferstehung sind verschwunden, 
'das Schnitzwerk des Schreines, die Krönung Maria durch Vater und 
Sohn nebst St. Michael und St. Erasmus, zwei Reliefs von den 
Flügeln, der englische Gruss und die heil. drei Könige, und einige 
Theile der Predella dieses Altars aber erhalten und machen nach 
der Beschreibung eines einsichtigen Augenzeugen 1) einen eben so 
anmuthigen als kirchlich feierlichen Eindruck. Namentlich entsteht 
diese Wirkung durch die geschickte Verbindung des Architektoni- 
sehen und Malerischen und durch die zarte Ausführung des spät- 
gothischen Zier- und Nischenwerks. Die Grossartigkeit und Durch- 
bildung, welche das Hauptwerk des Meisters, der nachher zu be- 
sprechende Altar von St. Wolfgang zeigt, ja überhaupt eigentliche 
Formschönheit und Idealität vermisste unser Berichterstatter, dagegen 
rühmt er das Streben nach naiver Naturwahrheit. Die Männerköpfe 
sind frisch aus dem Leben genommen, Maria hat ein liebliches mad- 
chenhaftes Gesicht mit einem Stumpfnäschen, und besonders reizend 
erschienen die Kinderköpfe der Engel. Dies naturalistische Element 
so wie die hie und da auffallend starren Faltenbrüche der Gewänder 
schienen ihm deutlich den Einfluss der niederdeutschen Schule zu 
verrathen. 
Derselben Frühzeit unseres Meisters wird ein Altarwerk ange- 
hören, das, angeblich aus Botzen stammend, aus dem Besitze des 
Professors Ainmüller in das National-Museum zu München überge- 
gangen ist und ihm, wenn auch nicht mit urkundlicher Gewissheitg), 
1) Aloys Messxner, in den Mitth. a. a. 0. 
e) Der Beweis, welchen E. Förster (im Kunstbl. 1853, s. 131 und später in 
den Denkm. deutscher Baukunst, Th. I, Abth. 2, S. 19) gefunden zu heben glaubt, 
beruht auf einem Irrthume. Er nimmt nämlich an, dass in jenem Vertrage 
Pachefs mit den Einwohnern von Gries ihm für den bestellten Altar die hIaasse 
eines von ihm früher gefertigten Altares in der Pfarrkirche zu Botzen vorge- 
schrieben seien, glaubt die Maassverhältnisse des Ainmüllerlschen Altares mit dem 
zu Gries übereinstimmend und folgert hieraus die Indentität des Ainmüllefsehen 
mit dem aus der Botzener Kirche verschwundenen Pachefschen Werke. Allein
        

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