Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175938
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Schulen 
Die 
östlichen und nördlichen Grenzlaude. 
der 
trägt das Wappen des Kaisers mit Namensunterschrift und Devise 
wiederholt und mit den Jahreszahlen 1447 und 1448; allein das 
kaiserl. Ehepaar, welches auf dem Titelblatte in reicher gothischer 
Halle und mit zahlreichem Hofstaate thront, scheint nicht Friedrich, 
sondern Sigismund nebst seiner Gemahlin darzustellen 1), und Fried- 
richs Wappen, das auf dem ersten Blatte des Textes zuerst vorkommt, 
erst später hineingemalt, dieser also nicht der Besteller gewesen, 
sondern erst nach dem Tode des Ersten und während der Minorität 
seines Enkels Ladislaus (f 1457) in den Besitz gekommen zu sein. 
Die Miniaturen lassen zwar verschiedene Hände, aber keine so be- 
deutende Differenz erkennen, dass man sie zwei entfernten Zeiten 
zuschreiben könnte. Einfluss böhmischer Schule, der auf Sigismuntfs 
frühere Zeit deuten würde, ist nicht anzunehmen, aber auch kein 
näherer Einfluss Eyckischer Kunst. Die Zeichnung ist durchweg 
ziemlich roh oder doch ohne Geist und Ausdruck, entfernt sich aber 
in den Gestalten noch nicht wesentlich von den Formen der idealen 
Schule. Dagegen zeigt sich in manchen Beziehungen ein sehr aus- 
gesprochener Naturalismus. Einer der drei beschäftigten Maler (und 
zwar gerade der roheste) gibt seinen Historien gern perspectivische 
oder landschaftliche Hintergründe mit weiter Fernsicht, während die 
andern den Tapetengrund beibehalten; auch sind am Rande oft 
Vögel und andere Thiere in ziemlich grosser Dimension sehr genau 
und nicht ohne Leben ausgeführt. Man wird daher vielleicht an- 
nehmen dürfen, dass der Codex kurz vor Sigismunds Tode (1437) für 
ihn begonnen, dann aber bald nach dem Uebergange der Vormund- 
schaft auf Friedrich (1442) in dessen Auftrage und auf seine Kosten 
fortgesetzt und erst später, um sich sein hierauf gegründetes ver- 
meintliches Recht zu sichern, mit seinem hineingemalten Wappen 
versehen sei. Man würde dann hier nur eine der Einführung des 
Eyckischen Styls vorhergegangene naturalistische Neigung erkennen. 
Eine weitere schrittweise Entwickelung jener Anfänge von 1449 
scheint nicht nachgewiesen werden zu können. Es ist sehr wahr- 
scheinlich, dass die Türken bei ihren wiederholten Einfällen in diese 
Gegend alles Bildwerk der Kirchen, wohin sie kamen, systematisch 
vertilgt 2), vielleicht, worauf Spuren von Rauch im Innern der Kirchen 
1) Wenigstens soll es, nach mir gewordener Sachverständiger gütiger Mitthei- 
lung, dieser gleichen. 
Q) In der Kirche zu St. Martin bei Seckau in Kiirnthen sagt eine Inschrift 
hinter dem Hochaltare: Anno Xti 1480 am St. Astram Tag habn die verdamblichen 
Abgötischen hundische Türke das Jungfrawliche Bild zerhackt. Gott ErbarmII 
Mitth. III. 333.
        

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