Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175916
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Die 
Schulen 
der 
Grenzlande. 
östlichen und nördlichen 
Ware dies ein gewöhnlicher Malerspruch gewesen, den unser dunkler 
österreichischer Meister ohne Kenntniss des grossen filandrischen 
Künstlers mit ihm gemein haben könnte, so würden wir ihn doch 
noch irgend ein drittes Mal. antreffen. Da dies nicht der Fall ist, 
können wir nur eine Entlehnung annehmen. 
Bedeutender ist ein zweites Bild mit derselben Jahreszahl. Es 
schmückt den Altar in der kleinen Spitalskirche zu Aussee in Steier- 
mark dicht an der Grenze des Salzkammergutes, ist aber, wie die 
fünf Vocale, die bekannte Devise Kaiser Friedrichs III.  nebst 
den Wappen beweisen, eine Stiftung dieses Fürsten. Der Maler 
nennt sich nicht, sondern hat der unzweifelhaft echten Jahreszahl 
nur ein: "lllaria memento mei" hinzugefügt. Der Gegenstand der Dar- 
stellung ist nicht ganz gewöhnlich. Im Mittelbilde die 'l'rinität; Gott 
Vater, im blaugrünen Gewande mit langem weissem Barte und feier- 
lich regelmässigen Gesichtszügen, auf hohem gothischem Throne 
sitzend, hält Christus am Kreuze, der von etwas kurzem Körper aus 
den Wunden stark blutet und den schweren hässlichen Kopf hat, der 
sich in Deutschland und selbst in Flandern an dem Gekreuzigten oft 
findet. Ueber ihm schwebt die Taube, zu seinen F üssen aber unter- 
stützt ein Engel den Kreuzesstamin. Ueber den Armlehnen des 
Thronsessels sieht man auf jeder Seite drei Engel, welche aus einem 
gemeinschaftlichen Buche singen, über den Rücklehnen aber einen 
andern sehr lieblichen Engel in dunklem Kleide und rothem Mantel 
mit hochaufgerichteten Flügeln, welcher in der Hand zwei kleine 
goldene Geräthe hält, wahrscheinlich Glöckchen, um damit, wie der 
hlinistrant beim Sacramente, die Christenheit zur Verehrung dieses 
Allerheiligsten aufzufordern. Auch liest man im tellerförmigen Nim- 
bus Gottes die Worte: „Siehe an Mensch die Leiden meines Sohnes." 
Neben dem Throne stehen dann auch schon hinaufblickend die Apostel 
nebst St. Johannes dem Täufer, bewegte Gestalten mit sehr in- 
dividuellen, aus dem Leben genommenen Zügen, sogar mit ziemlich 
unschönen Stumpfnasen, und auf den Flügeln sind die Chöre der 
Heiligen versammelt. Jeder derselben enthält nämlich zwei Abthei- 
lungen, oben Männer, und zwar hier die geistlichen, dort die welt- 
lichen gerechten Männer, unten hier die Jungfrauen, dort die Frauen, 
jedes dieser vier Bilder mit deutscher Inschrift: „In den kor gelwrn 
di reynen jumfrawen gotts" u. s. f. Der Gesichtstypus aller dieser 
Figuren ist rundlich, die Körperbildung kurz, die Köpfe sind sehr 
gut modellirt, die Gewänder fallen meist in senkrechten, parallelen, 
zuweilen sehr breiten Falten und sind keineswegs sehr gebrochen, 
Die Carnation ist. eher bleich, im Uebrigen aber die Farbe sehr
        

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