Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175886
Oesterreich. 
Dliniaturen. 
Johannes, pictor dncis Alberti. 
47:3 
Wiener Schule vortheilhaft sein musste. Camesina hat im Jahrbuche 
der k. k. Centn-Conim. Band II, Seite 195 die Statuten der Zunft, 
welche Maler, "Schilter", Glaser und Goldschlager umfasste, mitge- 
theilt. Die erste datirte Redaction ist vom Jahre 1410, eine andere 
undatirte scheint aber noch aus dem XIV. Jahrhundert und also 
wahrscheinlich aus der Regierungszeit Albrechts zn stammen. Be- 
merkenswerth ist, dass in allen diesen Redactionen die "geistlichen 
Maler" von den Malern der Rüstungen, den „Schiltern", unterschieden 
werden. In der ersten Redaction spielen diese noch die Hauptrolle, 
nur für sie hat man es nöthig gefunden, eine Meisterprüfung aus- 
drücklich vorzuschreiben; zwei Meister sollen ihre Arbeit beschauen, 
„was zu dem Leibe Herren, Rittern, und Knechten zu Schimpf oder 
zu Ernst gehört, es sei Stechzeug, Turneisezeug oder wie es genannt 
ist". In der Redaction von 1410 ist auch eine Prüfung der geist- 
lichen hlaler angeordnet; sie sollen eine 'l'afel von „prunirtem Gold" 
und von der Länge einer Elle bereiten und darauf ein Bild malen 
und zwar, worüber heutige Examinanrlen etwas erschrecken würden, 
binnen drei Wochen. Indessen sind auch hier die Schilter noch 
voran gestellt und ihre Prüfung ist umständlicher behandelt, sie sol- 
len vier Stück Stechsattel, Brustleder, Rosskopf und Stechschild an- 
fertigen, und die prüfenden Meister sollen (larauf sehen, dass der 
Candidat so malen kann, "wie es Herren, Ritter und Knechte an ihn 
fordern!" In der neuen Ordnung von 1416 hat sich dies geändert; 
die Prüfung der Schilter bleibt zwar noch dieselbe, aber sie nehmen 
nicht mehr dieselbe Stelle ein, sondern haben nicht blos den geist- 
lichen Malern, sondern auch den hier zum ersten Male auftretenden 
"Seidennatern" (Stickern von Parainenten) den Vorrang einräumen 
müssenl). Man schätzt also jetzt die geistigere Arbeit höher, als die 
blos decorative des Waffenschmuckes. Die Zunft nimmt hier auch 
zum ersten Male den Namen der „Zeche Sanct Lucas" an. Gemälde 
der Wiener Zunft aus dieser Zeit sind nachzuweisen; die Tafel auf 
dem Zwölfbotenaltar in St. Stephan, für welche nach einer ebenfalls 
1) Ausser den Seidennatern sind jetzt auch noch die Aufdrucker hinzugekom- 
men, deren Bedeutung auch durch die Vorschriften ihrer Prüfung nicht klar wird. 
"Ein Aufdruoker, der erhaben oder flache Ding drucken will, der soll das auch 
erweisen und aufdrucken, als dann solcher Arbeit Recht und von Alter Herkom- 
men ist". Von einer neuen Erfindung scheint also nicht die Rede, an Formstecher 
oder Buchdrucker wird man nicht denken dürfen, auch wohl nicht an gedruckte 
Stoffe, die wohl schon früher vorkommen, da sie niemals "erhaben" sein konnten, 
und dass das Aufpressen der Heiligenscheine oder der Muster in den Goldgründen 
und Gewändern der Bilder einem besondern Gewerbe anheimgegeben war, ist 
schwer zu glauben.
        

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