Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175847
Oesterreich. 
Die Malerei in 
471 
Fünftes 
Capitel. 
Die 
Schulen 
der östlichen und 
Grenzlandel). 
nördlichen 
Im letzten Viertel des  Jahrhunderts beginnt zuerst in 
Deutschland mit dem regeren Kunstleben eine Verschiedenheit der 
Provinzen, allein doch noch in sehr schwachen AnfängeYiTiMiniaturen 
undwWandgemälde der verschiedensten Gegenden stehen einander 
noch sehr nahe, und nur in der Tafelmalerei bilden die verschiede- 
nen Hauptstätten künstlerischer Thätigkeit, Cöln, Prag und Nürnberg 
eigenthüniliche Schulen, denen die andern Gegenden sich bald mit 
kleinen Abweichungen, bald ohne solche unterordnen. Dass auch in 
Oesieglrrgivch, ein reges künstlerisches Leben war, beweisen die gross- 
artigen und anziehenden Wandgemälde im Schlosse Runglstein in 
'l'yrol. Sie sind, obgleich jenen italienischen Grenzlanden nahe, durch- 
aus deutsch, aber auch ohne erkennbaren Provincialismus. Tafelma- 
lereien des idealen Styls sind in Oesterreich ziemlich selten und 
schwankenden Charakters. Ein Fliigelbild in der Spitalkirche zu 
Aussee in Oberstcierniark, welches wahrscheinlich früher auf dem 
Altar stand und jetzt durch ein nachher zu erwähnendes späteres 
Werk verdrängt an der Wand hängt, in der Mitte die vierzehn Noth- 
helfer, auf den Flügeln die Apostel, auf der Aussenseite vollständig 
und unkenntlich iibermalt, deutet durch die strenge Auffassung, durch 
dunkle Carnation, verschwommene Modellirung und dicke Nasen auf 
die Prager Schule hin. Einige zusammengehörige Tafeln in der Ge- 
mäldesammlung zu Klosterneuburg, eine Kreuzigung, und dann in 
kleinerem Maassstabe die Darbringung im Tempel, Christus als Gärt- 
ner und der Tod der Maria, alle auf Goldgrund mit röthlicher Car- 
nation und weissen Lichtern, erinnern dagegen mehr an Cölner Schule 2). 
Während hiernach der Zustand der Malerei in den von Wien 
abhängigen Gegenden schwankend erscheint, ist es möglich, dass in 
 der uralten Metropole dieser ganzen südöstlichen Gegend, 
noclr eine besondere Schule bestand. Im Nationgl-llluseum zu 
lllünclien wird ein  etwa vom Anfange des XV. Jahrhun- 
derts, bewahrt, von mässiger Grösse, aber von hoher idealer Schön- 
1) Der folg. Abschnitt über die österr. Malerei im 15. Jahrh. ist mit neueren 
Nachträgen abgedruckt aus den Mitth. der k. k. Cent.-Comm., VII, Nr. 8. 
2) Die Temperabilder, welche der Propst Stephan im Jahre 1334 auf der 
Rückseite des Verduner Altars in Klosterneuburg anbringen liess und von denen 
das mittlere die seltene Darstellung des himmlischen Jerusalem enthalten soll, 
blieben mir leider bei meinem Besuche des Stiftes unzugänglich.
        

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