Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175820
Berthold Furtmayr. 
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der sich stets "Yluminist", niemals Maler, nennt, war daher muth- 
maasslich ein bekannter Miniaturmaler, an den Bestellungen aus 
weiterem Umkreise gelangten 1). Sein Wohnsitz war, wie neuerlich er- 
wiesen ist, Regensburg?) 
Der Inhalt der Miniaturen ist oft sehr eigenthiimlich und an- 
ziehend; so besonders im zweiten Bande des Codex von Maihingen 
die Darstellungen aus dem Ilohenliede, welche den Inhalt desselben 
ziemlich einfach und ohne allegorische Zusätze, also rein als [Liebes- 
gedicht, aber mit nrnnclerbarer Innigkeit und, Zartheit,"wiedergeben. 
Auehdie Bilder des Missale sind sehr ausgezeichnet, oft mit sehr 
vollkommener landschaftlicher Durchbildung und zum Theil durch 
ungewöhnliche Allegorien interessant. So ist zu dem Fronleichnams- 
feste (dem „Ofiicium de corpore Christi") ein Baum dargestellt, wel- 
cher zugleich der Baum des Lebens und der des Todes ist, zugleich 
Aepfel und Hostien trägt, jene auf der linken Seite, wo Eier die 
T0de"sf1'11cht von der Schlange empfängt und einer grossen Zahl von 
Männern, die der Tod ihr zuführt, überreicht, während rechts ,Ma_1;ia_ 
(oder die Kirche) unter der von einem Engel herangeführten Schaar 
die Hostien austheilt. Allein das Verdienst dieser Erfindungen wird 
schwerlich unserm Illuministen zustehn; jene Bilder aus dem Hohen- 
liede sind einem in den Niederlanden etwa um- 1460 herausgekom- 
menen Holzschnittwerke entlehntß), wenn auch zum Theil mit Abän- 
told und nicht Pechtold zu lesen und daher der Name Berthold nach heutigem 
Sprachgebrauche richtig. Nachrichten und eine Abbildung aus dem Missale in 
Försters Denkmalen Bd. III. Vgl. auch manche Berichtigungen in dem eben an- 
gef. Aufsatze von Dr. Sighart.  
1) Schon die Inschrift des ersten Bandes: "Durch eren der keuschen mayd 
ist dis werck berait anno dom. MCCCCLXX per manus perchtoldi. furtmayr 
ylluminystae" zeigt, dass er es war, welcher die Bestellung erhielt und auch die 
Schreiberarbeit besorgte.   
2) Er war (Sighart a. a. O.) 1477 Hausbesitzer und lebte noch 150i. 
3) Förster ist noch während der Arbeit an seinem Werke auf die Ueberein- 
stimmung aufmerksam geworden (S. 354 coll. S. 255 a. a.  halt aber Furtmayr 
für den Erfinder, während Waagen völlig überzeugend nachweist, dass er nur 
Copist gewesen, der sich kleine als solche erkennbare Aenderungen erlaubt. 
Weingärtner, indem er ebenfalls Förstefs Ansicht aus vielen Gründen verwirft, 
nimmt dagegen an, dass beide, die Holzschnitte und Furtmayfs Bilder, Copien 
nach Miniaturen Eyck'scher Schule seien. Allein dies mag für die Holzschnitte 
richtig sein, aber schwerlich für Furtmayfs Arbeit, da Miniaturen nicht so in der 
Welt herumwandern. Vgl. über das Holzschnittwerk (Historie. B. Virginis Mariae 
ex Cantico Canticoruni) Passavant imPeintre graveur I. 118, welcher darin den 
Styl des Dirck Bonts zu erkennen glaubt. Sighart a. a. O. sträubt sich, das Ver- 
dienst der Erfindung seinem Landsmann abzusprechen. 
        

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