Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175792
466 
Die 
oberdeutschen Schulen. 
im Mittelbilde, sondern (wie wir es in Augsburg fanden) als drei 
ganz gleichwgestaltete, gekrönte Männer, welche, auf Einem Throne 
sitzend, der keine mit "der Weltkugel, ein zweiter mit dem Scepter 
in der Hand, alle drei an der Krönung Theil haben. Die sTreng 
architektonische Anordnung zeigt noch ein Festhalten an den llrIaxi- 
men des idealen Styls, und die Gestalten und die Gewandbehandlung 
lassen Schönheitsgefühl erkennen, aber die Zeichnung wiSt trocken, 
hölzern und ohne hinlangliche Kenntniss der Formen, die Faijge ohne 
Kraft und Tiefe, selbst das Bildniss des Stifters auf der Rückseite 
der Flügel überaus schwach, das Ganze also sehr unerfreulich. Etwas 
günstiger erscheint ein dem Olmendorf verwandter, unbekannter 
Meister auf einer Reihe von Tafeln aus der Geschichte der Apostel 
Petrus und Paulus, Fragmenten eines grossen Altars, von denen sich 
noch vier in der Peterskirche, die übrigen im National-Museum zu 
München befinden. Die figurenreichen Compositionen sind wenigstens 
verständlich und mit richtigem Raumgefühl angeordnet, die Ge- 
stalten lebendig und ausdrucksvoll, einige weibliche sogar nicht ohne 
Anmuth, und die freilich etwas schwere, bräunliche Farbe ver- 
schmolzen und ohne störende Disharmonie. Aber die Zeichnung ist 
auch hier allzu derb, die Gewandung wie in Holz geschnitzt, der 
Gesichtstypus breit, die Bewegungen sind übertrieben und die Costüme 
überladen und bizarr, so dass auch hier der Kunstwerth im Ganzen 
nicht sehr bedeutend ist 1). 
Milder und anmuthiger ist die Schule von Landshut; So zeigt 
sie sich schon auf zwei GlasgemäldenmiiiwderMKiYÄhe zu Innliofen 
nahe bei Landshut, Stiftungen Herzogs Heinrich des Reichen, dessen 
Bildniss nebst der Jahreszahl 1447 das einewdtzrselben enthältü). 
Die Zeichnung gehört noch im Wesentlichen dem idealen Style an, 
giebt aber den Gestalten doch schon freiere und vollere Formen. 
Etwas älter scheinen zwei von demselben Herzogin? IÄBOYgestiftete 
kleine Flügelaltäre im Nationalmuseum zu München, beide mit seinem 
Bildniss, wappennha Motto? Wall? Gott, verschn, aber ohne Jahres- 
zahl, der eine mit der über dem Leichnam Christi trauernden Maria, 
der andere mit der Anbetung der Könige im Mittelfeltles). Es fehlt 
1) Vgl. über die meisten dieser Bilder E. Förster a. a. O. Andere Schnitz- 
altäre mit Malereien dieser Schule sind in Pipping, Melzing, Alling, Milbßrts- 
hofen, in Ramersd0ri' (1483), in Merlbach am Starnberger See, und ßlltferlltel" in 
Agathenried bei Schliersee (1495), in Jasberg und Wettelkam zu finden. Sighart, 
a. a. O. S. 166. 
2) Abbildungen bei E. Förster, Denkmale, Band III. 
s) Auf dem ersten beider Altäre ist neben St. Georg ein Bischof mit einem
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.