Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175748
Gemälde aus Ravensburg, 
etc. 
Schwäbisch-Hall 
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Ausdruck inniger Frömmigkeit und Entzückung im Kopfe Gregors 
und der jungfraulicher Reinheit und todesfreudigen Muthes in dem 
der heiligen Katharina meisterlich gelungen und tief. Einen seltenen 
Reichthum an Schnitzwerken und Malereien enthalten dann die drei 
Kirchen von Schwäbisch-Hall, St. Michael, St. Urban und be- 
sonders die kleinemSAtÄ "Katharinenkirche1). Die Malerei, obgleich 
fleissig und nicht ohne Ausdruck, nimmt dabei nur die zweite Stelle 
ein, während das Schrlrrzwerk, sowohl dem Umfange alsder Be- 
deutung nach, überwiegt. "Nicht nur die Altäre sind damit reichlichst 
und mit einer im XV. Jahrhundert noch seltenen Ausführlichkeit der 
Darstellung ausgestattet, sondern auch ausserdem freistehende Holz- 
bilder an den Wänden und Gruppen von fast lebensgrossen Figuren 
verhältnissmässig häufig angebracht. So in der hlichaeliskirche eine 
Grablegung 2), in der KatharineiikirChe derselbe Gegenstand und 
ausserdem das Gebet am Oelberg, dieses in der Art, dass die vier 
Gestalten Christi und der drei Jünger, jener knieend, diese auf Fels- 
stücken sitzend, vor einem landschaftlich bemalten Hintergründe eine 
einfache Reihe bilden. Wahrhaft plastische Haltung oder aus- 
gebildeten Schönheitssinn darf man freilich hier nicht erwarten; die 
Gesichtszüge sind alltäglich, die Bewegungen, besonders der mit dem 
Schlafe ringenden Jünger, bilden spröde Linien und Winkel, die 
Gewandung lässt grössere Ruhe wünschen. Aber in der Innigkeit 
des Ausdrucks, der Naturwahrheit der Motive, überhaupt in der 
populären, ergreifenden Kraft suchen diese Gruppen ihres Gleichen 
und verrathen ein nach diesen Seiten hin sehr ausgebildetes künst- 
lerisches Gefühlg). Die Urheber dieser Werke sind nicht genannt, 
1) Vgl. über diese H. Merz im Christi. KunstbL, 1858, S. 32 E, über die 
beiden ersten Grüneisen im Tüb. Kunstbl., 1840, S. 418. Bemerkenswerth wegen 
des Gegenstandes der Darstellung ist der St. Michaelsaltar in der gleichnamigen 
Kirche, indem er im Schrein den Erzengel als Besieger des Satans, auf den 
Innenseiten der Flügel, und zwar in Reliefs, auf der einen Seite oben den Himmel, 
Gott Vater mit Christus, Maria und Heiligen, und darunter die Hölle mit grausigen 
Gruppen Verdammter, auf der andern Seite aber oben die Wohlthatigkeit, nämlich 
einen Reichen, der Brod und Wein unter die Armen austheilt, darunter aber den 
reichen Mann und Lazarus darstellt. Wenn wirklich diese obere Tafel keinen 
andern, historisch naher bestimmten Inhalt hat, als den abstracten der Gott 
wqhlgefälligen Wohlthatigkeit, ist sie ein Unicum in der Kunst des XV. Jahr- 
hunderts. 
ß) Grüneisen und Manch in Ulms Kunstleben, S. 66. 
K) Vgl. die Abbildung bei Merz a. a. 0. S. 47. Die Jahreszahl 1470 auf dem 
Sarkolahage der Grableguxig ist nicht auf die Anfertigung des Schnitzwerks zu 
beziehen, sondern beweist vielmehr, dass dieses in eine etwas spätere Zeit fallt. 
Denn dieser Sarg von Stein ist mit den Reliefgestalten zweier Kriegsknechte ver-
        

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