Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1175648
Holbein d. 
Hans 
451 
Um dieselbe Zeit oder etwas später mögen nach Woltmann (ent- 
gegen Schnaases oben ausgesprochener Ansicht) die beiden Altar- 
flügel in der Galerie der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in 
Prag fallen und zwar weil sich bei ihnen zum ersten Mal Renais- 
sanceformen an Säulen und Bogen der Umrahmung zeigen. 
Es folgen dann die vier Tafeln der Augsburger Galerie, ursprüng- 
lich zwei Altartlügel aus dem Katharinenklostei" ebenda mit Holbein's 
Namen und dem Datum" 1512  Anna und Maria, auf einer Bank 
sitzend, lehren das Christuskind gehen, der Kreuzestod Petri, das 
Wundqeiyiwelches zur Entschuldigung eines Fastenbrnhcheds des heil. 
Ulrich durch Verwandlung eines Gänsebratens in einen Fisch ge- 
schehen und die Enthauptting der heil. Katharina. Man hat mit 
Recht stets etwas Jugendfrisches in diesen Bildern gefunden, aber 
es sind nicht die Spuren eines wenn auch noch so begabten An- 
fängers, die sich darin ausprägen, sondern die Zeichen einer neuen 
jugendlichen Zeit. Man erkennt die Züge einer sicheren, kräftigen 
Manneshand, doch geleitet von der mehr und mehr?" wachsenden 
Kenntniss und der Freude am menschlichen Körper, den man nicht 
mehr nach auswendig gewussten manierirten Formeln bildet, sondern 
auf Grund ernsten hlodellstudiums. 
Aus dem folgenden Jahre finden sich zwei ursprünglich zu einem 
Diptychon vereinigte kleinere Tafeln in Wien, die sogenannte Ma- 
donna mit dem Maiglöckchen, bezeichnet mit dem Namen "Johannes 
Holbain" und den selbstbewussten Worten: „Carpet aliquis cicius 
quam imitabitur", bei A. Posonyi (früher bei Pfarrer Schmitter-Hug 
in St. Gallen), und ein männliches Bildniss mit der Jahreszahl 1513 
beim Grafen Lanckoronsky. Beide haben architektonische Umrah- 
mung im Renaissancestyl und zeigen ebenfalls einen wesentlichen 
Fortschritt gegen früher. 
Mit Uebergehung einiger minder wichtiger Bilder aus diesem und 
den folgenden Jahren bleibt uns noch die vollendetste Schöpfung 
H0lbein's zu betrachten, zugleich auch die letzte, die wir von ihm 
nachweisen können  der Sebastiansaltar mit der Marterppdes Hei- 
ligen als Mittelbiltl, der VerkündigungMauVfI"den Aussenseiten und den 
Heiligen Barbara und Elisabeth auf den Innenseiten der Flügel. 
Wenn die, beiden ersten Darstellungen noch manche Befangenheiten 
der älteren Holbeinschen Weise verrathen, z. B. in dem ungeschickt 
Schtvebelßtgy, Engel mit dem blöden Köpfchen und einigen seltsam 
verkniffenen Gesichtern unter den Zuschauern bei der Marter, so 
zeugt dagegen die Composition der letzteren von grösster Freiheit; 
und Beherrschung der ltünstlerischen Mittel. Der Heilige mit dem
        

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