Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1170776
XLVIII 
Carl 
Schnaaseks Biographie. 
lieben, ist 
zu Gott. 
eine 
Vorbereitung 
für 
11118 SP8 
immer 
Zll 
steigernde 
Liebe 
Wenn ich so unruhig und ungeduldig bin wie heute, dann 
denke ich mir alle Ruhe und Freude bei Dir. Indem ich aber eben 
still sass, iiel mir ein, dass ich auch zu Hause manchmal so unruhig 
und unbefriedigt bin. Wird sich das nicht legen, wird meine Seele 
endlich das Gleichgewicht finden, dessen sie bedarf? Ich hoffe es, 
an Deiner Seite, mit Dir werde ich endlich erlangen, was mir ohne 
Dich immer gefehlt hatte. Alles, was wir auf Erden erreichen sollen, 
bedarf eines Kampfes, eines Ueberganges, der nicht ohne Unruhe 
und selbst ohne Schmerzen ist, aber zum Ziele führt. So auch wir; 
um zu dem Einverständniss, zu dem wir geschaffen sind, vollkommen 
zu gelangen, musste Manches früher angenommene, so gut und lieb 
es auch seinerseits war, abgelegt oder doch anders gestellt werden, 
und das ist immer eine harte Zumuthung, die nicht ohne Wider- 
streben unseres eigensinnigen verwöhnten Herzens erfüllt werden 
kann. Ich denke das ist jetzt überstanden, auch diese Prüfung der 
Trennung wird uns dazu behilflich sein. Ein Dichter, ich denke 
Körner, sagt einmal: 
„ „Und will ein Engel himmelwärts, 
So bricht im Tod ein Menschenherz. 
Bei uns soll es nur der Tod mancher Gewöhnungen und Ver- 
wöhnungen sein, deren besseres Theil dann auch wieder in dem 
neuen Leben, das für uns vereint angeht, erhalten wird. Gewiss, 
es wird gut und besser. 
Mir ist es schon mehrere Nlale in Deinen Briefen vorgekommen, als 
ob ich Dich da noch besser verstände, wie im mündlichen Gespräche, wo 
die beiderseitige Ungeduld vielleicht ein so ruhiges Aussprechen verhin- 
dert. Besonders erfreut hat mich, was Du über unsere Art der Religio- 
sität sagst. Gewiss, sie ist im Kern ganz gleich, und in der Form zwar 
etwas verschieden, doch so, dass sie sich ergänzt. Du hast, was mir fehlt, 
die Inconsequenz, wie Du sie nennst, dass Du Dir Gott theils in seinen 
Schöpfungen ganz gegenwärtig und lebendig denkst und ihn doch 
wieder abgesondert davon zu haben meinst, wenn Du ihn anbeten, 
ihm danken, ihn bitten willst. Diese Inconsequellz ist keine, sondern
        

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